

Schatten des Autos, Atem der Löwen und die Nähe des Ungezähmten
Es gibt Bilder, die weit mehr sind als Erinnerungen. Sie sind Fenster in ein anderes Jetzt, in ein vergangenes Atemholen der Wildnis. Wenn ich dieses Foto betrachte, öffnet sich in mir sofort jener Moment, an dem zwei Löwen aus dem unendlichen Savanne Afrikas zu uns herüberkamen, als wären wir alte Bekannte. Sie schritten nicht als Herrscher, sondern als Wesen, die einen Ort des Friedens suchten – und fanden ihn im Schatten unseres Safari-Wagens.
In vielen Regionen Afrikas werfen die Bäume zu wenig Schatten für Körper, die von Sonne und Leben müde geworden sind. Und so haben die Löwen gelernt, was die Fotografen ihnen schenken: den kühlen, verlässlichen Schatten der Safari-Fahrzeuge. Eine stille Übereinkunft zwischen Mensch und Tier, geboren aus Erfahrung und Respekt. Wir begegnen ihnen nicht als Fremde, sondern als Reisende, die für einen Augenblick denselben Raum teilen.
Dass sie so nah kommen, verändert die Wahrnehmung. Die Kamera wird plötzlich zweitrangig. Da ist das Hecheln des Löwen, ein warmer, vibrierender Klang, der aus der Tiefe seines Brustkorbs kommt. Da ist die direkte Präsenz eines Wesens, das seit Jahrtausenden als Sinnbild für Kraft und Würde gilt. Wir sitzen sicher, und doch spüren wir die Schwerkraft der Situation – nicht als Gefahr, sondern als intensives Bewusstsein dafür, dass wir Gäste sind in einer Welt, die so spannend und wunderschön sein kann.
Das Löwenpaar, das uns hier begegnete, befand sich in jenen Tagen, in denen Löwen sich vom Rudel lösen. Eine Zeit voller Nähe, Ausdauer und Ritual. Es ist ihre Flitterwoche: Sie bleiben beieinander, fast wie zwei Planeten, die sich umkreisen, und sie paaren sich in regelmäßigen Abständen – ein wiederkehrender, beinahe meditativer Rhythmus des Lebens. Wer dies weiß, kann in der Wildnis verweilen, 20 Minuten warten und Zeuge eines uralten Tanzes der Natur werden.
Solche Erfahrungen sind es, die eine Fotoreise zu weit mehr machen als eine Jagd nach Motiven. Sie erinnern uns daran, wie groß und faszinierend die Welt ist und wie wertvoll jeder Augenblick, in dem wir Teil ihres Pulsschlags werden dürfen. Die Kamera fängt das Licht ein – aber unser Inneres fängt die Wahrheit ein: dass die Wildnis uns berührt, formt und verändert, wenn wir ihr mit offenen Augen begegnen.
Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen!
