Welt am Sonntag 13.08.06

Welt_13_08_06Dem Tiervolk aufs Maul geschaut

Ein wunderbarer Blick in die Seele der Natur: In seinem neuen Bildband "Ungezähmt" zeigt der Fotograf und Umweltschützer Benny Rebel beeindruckende Nahaufnahmen von Tieren in freier Wildbahn

Fotografie und Verhaltensforschung sind seit den Bewegungsstudien von Eadweard Muybridge und Étienne Jules Marey im 19.Jahrhundert eng miteinander verbunden. Die Bewegungen von Lebewesen in Zeit und Raum lassen sich durch Fotos oder Filme besser einfangen, als im Nacheinander der Sprache. Auch der 1968 im Iran geborene und heute in Hannover lebende Tierfotograf und Umweltschützer Benny Rebel beschränkt sich deshalb in seinem Bildband "Ungezähmt" auf minimalste sprachliche Erläuterungen. Seine Kommentare enthalten oft nur eine Ortsangabe, den Artnamen und einen Hinweis auf das Verhalten des Tieres.

Rebel geht es aber nicht nur um die Dokumentation der abgelichteten Tiere. Er will mit seinem Bildband auch auf die Bedrohung der Naturschönheiten durch den Menschen hinweisen. Im Nachwort listet er in knapper Form einige Beispiele der menschlichen Zerstörungskraft auf. "Atomreaktoren sind tickende Bomben" und "Reiche Trophäenjäger rotten immer noch seltene Tiere aus", schreibt er lapidar. Da helfen leider auch Tierschutzgesetze wenig, fügt er an. Und genauso unaufgeregt fotografiert er.

Die Schwierigkeiten der Wildtierfotografie sind dabei im Band genauso präsent, wie Tiere selbst. Wenn Rebel vom Wanderfalken erzählt, sieht man auf der Seite einen Uhu und einen Bartgeier, weil er einen Wanderfalken noch nie vor die Kamera bekam. Wilde Tiere sind scheu, und ein Fotograf braucht Geduld. Hat er sie dann endlich vor der Kamera, machen sie immer noch, was sie wollen. Ein grünes Chamäleon wird, als Rebel näher kommt, schwarz und erst wieder grün, als der Fotograf wieder weggeht. Rebels Bildband wird so zu einer witzigen Hommage an die Bewegungen von Tieren in ihren Umwelten. Zu einer, die auch erzählt, was man nicht sieht.

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