Universum 07 / 08 2006

DER GROßBILDJÄGER

Benny Rebels Markenzeichen sind Aufnahmen mit Weitwinkel-Objektiv von Tieren in ihrer natürlichen Umgebung. Für sein erstes Buch "Unezähmt" hat er in Südafrika, Namibia, Kenia und auf den Galápagos-Inseln das wilde Leben in freier Natur fotografiert. Die Bilder sollen den Betrachter zum Nachdenken über globale Zusamenhänge im Umweltschutz anregen.

REBELL AUS GUTEM GRUND

Benny Rebel, mehrfach ausgezeichneter Naturfotograf und Umweltschützer mit ungewöhnlichen Mitteln, hat im Herbig Verlag sein erstes Buch "Ungezähmt" veröffentlicht. Über sein Anliegen, den winkligen Werdegang, die Wandlung zum Fotografen und eine nicht enden wollende Aufgabe sprach er mit dem Universum Magazin.

Titel

Benny Rebel, geboren 1968 im Iran, hat 2002 und 2003 einige bedeutende Fotopreise aberäumt und ist in Deutschland bereits ein Shootingstar. Um seinem Anliegen, dem globalen Natur-, Tier- und Umweltschutz, Gehör zu verschaffen, pilgert er durch Kindergärten ebenso wie Talkshows.

Universum Magazin: Niemand weiß besser als Sie, dass der Verlust der Scheu vor dem Menschen der Anfang vom Ende für wilde Tiere ist. Wie meistern Sie die schwierige Gradwanderung zwischen Distanz und Nähe?
Rebel: Nie Angst haben, aber immer aufpassen. Mit allen Sinnen die Signale der Tiere deuten. Wenn man die kennt, lebt man länger. Immer fragen mich die Leute, ob das nicht gefährlich ist, was ich da tue. Und ich sage: Es ist viel gefährlicher, nachts allein durch Johannesburg, New York oder Berlin zu spazieren als durch den Kruger Nationalpark. Menschen verhalten sich unberechenbarer. Ich habe schon Touristen sagen hören: "Schau, der Elefant will besonders gut im Bild sein, er hebt den Rüssel und klappt die Ohren vor." In Wirklichkeit steht er kurz vor einem Angriff, auch das "Gähnen" der Raubkatzen ist eine Drohgebärde.

Wie würden Sie Ihre Beziehung zu Tieren und Natur beschreiben? War sie schon immer da oder ist sie gewachsen?

Bereits mit drei Jahren habe ich mich in die weiße Taube meines Cousins verliebt, aber ich durfte zu Hause keine Tiere halten. Schon im Iran war ich ein Tierliebhaber, hatte aber noch keine Beziehung zum Umweltschutz. Nach Deutschland habe ich meine Tierliebe im Herzen mitgebracht und dort erst mehr erfahren über die verkaufte und ausgeplünderte Natur. Ich wurde Mitglied bei diversen Umwelt-NGOs. Dort habe ich erfahren, was vor sich geht.
Ich bin schon vor 15 Jahren viel gereist und habe mir Notizen gemacht, was alles schief läuft. In der Dominikanischen Republik tauchten die anderen Touristen Muscheln herauf, ich holte Altbatterien aus dem Riff. Ich habe den Einheimischen versucht zu erklären, was das mit Korallen, Fischen und ihrem Waser tut. Meine frühe Aufklärungsarbeit war, dass sie ihre eigene Lebensgrundlage gefährden.

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Sie sind Autodidakt in der Fotografie. Warum haben Sie damit angefangen und wie haben Sie es gelernt? Talent oder Ausrüstung?

Ich habe es nie forciert Fotograf zu werden. Ich wollte professioneller Umweltschützer werden und habe 37 verschiedene Jobs gemacht. Das verdiente Geld habe ich zur Seite gelegt und statt eines Autos Blitzgeäte und Objektive gekauft.

Ich habe im Urlaub schon immer mit einer biligen Plastikkamera fotografiert und Dias gemacht, die ich meinen Freunden zeigte. Die hat das sehr interessiert und so fand ich einen Weg, das zu sagen, was ich sagen möchte. Ich wollte dann die Bilder perfektionieren, um die Botschaft zu verbessern. Mit Bildern kann man Emotionen lenken, das nutzt auch die Werbung. Mit der Profiausrüstung habe ich mich in Fachliteratur hineingekniet, etwa 200 Bücher in einem Jahr gelesen und versucht, die Tricks praktisch umzusetzen.
Geduld und Wissen über die Tiere sind wichtiger als die Ausrüstung.

Wie hilft Verhaltensforschung beim Fotograieren?

Insgesamt habe ich selbst einige Jahre in Afrika verbracht und viele Geheimnisse aus eigener Beobachtung gelernt: Wie sich Individuen untereinander begegnen, was sie tun, wenn sie anderen Tieren begegnen, wie das Zusammespiel mit Pflanzen funktioniert. In Südafrika, meiner zweiten Heimat, habe ich auch als Ranger gearbeitet. Meine erfahrenen Freunde dort lehrten mich ihre Tricks. So komme ich nah an wilde Tiere heran.

Was machen Sie während Sie auf den entscheidenen Augenblick warten?

Mir ist in der Natur nie langweilig. Es gibt viel zu sehen, egal ob in der Wüste oder am Wasserloch. Die Kameras bleiben immer eingeschaltet, denn erfahrunsgemäß passiert stundenlang nichts und plötzlich geht´s los. Aus heiterem Himmel trabt eine Herde heran oder Raubkatzen jagen. Das pssiert in drei bis fünf Sekunden, auf die du 13 bis 14 Stunden gewartet hast. Wenn du die fürs Einschalten brauchst, hast du verloren.

Was wollen Sie mit Ihren Bildern beim Betrachter bewirken?

In erster Linie sollen die Menschen nachdenken über globale Zusammenhänge und bedrohte Tiere. Armut, Gewalt und globale Probleme gehören zusammen. Auch die meisten Migranten stammen aus Asien oder Afrika, wo die Natur keine Lebensgrundlage mehr bietet und die Leute weg müssen. Die Betrachter sollen spenden oder selber akitv werden. Wir brauchen die Natur, sie uns aber nicht. Schon aus egoistischen Gründen müssen wir sie also schützen.

Wie entscheiden Sie welches Tier Ihre Unterstützung erfährt?

Meine Lieblingstiere sind immer die, die gerade vom Aussterben bedroht sind. Das sind natürlich Tausende. Also überlege ich, wo ich meine Arbeit am effektivsten einsetzen kann. In den letzten Jahren habe ich eine enge Beziehung zu Raubkatzen aufgebaut, die sind fast alle auf der roten Liste. 2006 ist mein Projekt "Mensch und Tiger" angelaufen und wir haben schon viele internationale Partner gefunden. Das Wichtige ist, dass Menschen vor Ort verstehen, dass sie mit dem Tiger mehr verdienen, als ohne. Man kann Tiere nur gemeinsam mit dem Menschen schützen. Wir wollen nicht nur die Probleme, sondern auch Lösungsansätze zeigen.
Im Sariska Natinalpark in Indien beispielsweise sind die gestreiften Jäger bereits ausgerottet, und somit auch die Lebensgrundlage von Hotelangestellten, Guides, Taxifahrern, Souvenirhändlern, Fluggesellschaften. Da hängen Tausende Menschen dran. Es ist so als ob in einem Hollywoodfilm der Hauptdarsteller plötzlich nicht mehr mitspielt.

Was würden Sie persönlich als Ihren Durchbruch als Naturfotograf bezeichnen?

2002 war mein Durchbruch als Fotograf des Jahres, gewählt vom Fotomagazin, 2002 und 2003 gewann ich jeweils Gold beim Austrian Super Circuit. 2003 war ich erstmals im Fernsehen und heute bereits elf mal seit Beginn des Jahres. 23 Millionen Menschen im deutschen Sprachraum haben mich gesehen. Aber es ist mir nicht so wichtig, meine Bilder zu zeigen oder Geld zu verdienen, wie den Menschen meinen Floh ins Ohr zu setzen. Heute habe ich Fotowettbewerbe ehrlich gesagt nicht mehr nötig. Ich bin da angekommen, wo ich hinwollte, und muss keine Umwege mehr gehen.

Hatten Sie nie Sorge von einer Organisation instrumentalisiert zu werden?

In letzter Zeit haben mich viele Leute angerufen, lauter tolle Projekte und Menschen. Ich kann mich aber leider nich klonen. Ich bin geehrt, aber bereits überlastet.

Sie fotografieren auch Hochzeiten, Kinder und Haustiere? Haben Sie als anerkannter Fotograf da keine Berührungsängste?

Ich fotografiere Hochzeiten, Haustiere oder Kinder als Auftragsarbeit. Das ist eine Abwechslung und bringt Geld für meine Projekte. Im Umweltschutzbereich mache ich ja alles ehrenamtlich und spende für Projekte. Mit Bildern, Büchern und Veröffentlichungen verdiene ich Geld. Am liebsten gehe ich jedoch in Kindergärten fotografieren. Da komme ich ein paar Tage vorher und mache eine Diashow über "Abenteuer in Afrika". Die Kinder sind unverdorben und von der Natur begeistert, das will ich stärken. Denn sie sind die Politiker von morgen.

Hat Ihnen Ihre ursprügliche Ausbildung bei der Fotografie geholfen oder hätten Sie lieber etwas anderes gelernt?

Ich habe nie als Feinmechaniker gearbeitet, aber ich kann immer noch Dinge zusammenfummeln, zum Beispiel meine Kamerastange zum Fotografieren von Raubkatzen mit Fernauslöser. Heute würde ich wohl eher Biologie oder Kunst studieren.

Was sind für Sie die größten Bedrohungen für die Tierwelt?

Diese Liste ist sehr lang. Täglich sterben unzählige vom Austerben bedrohte Tierarten für die japanische Küche, die chinesische Medizin, Pelzmantelträger, Trophäenjäger oder durch die Überfischung der Meere, die Abholzung der Wäder, die Vergiftung der Flüsse. Kriege sind sowieso verheernd: sie töten nicht nur Menschen, sondern auch die Natur. Treibhauseffekt und Ozonloch haben ebenfalls katastrophale Auswirkungen. Armut und Bevölkerungswachstum sind wichtige Ursachen: Für arme Menschen hat der Artenschutz verständlicherweise nicht die oberste Priorität und wenn immer mehr Menschen Narung und Platz zum leben brauchen, müssen die Tiere zurückstehen und ihren Lebensraum überlassen.

Was machen Sie denn in Ihrer Freizeit?

Ich habe so gut wie keine, schon seit Jahren nicht. Ich arbeite 80 Stunden die Woche, habe keine Sonn- und Feiertage. In Afrika zu fotografieren ist für mich vermutlich Freizeit. Selbst wenn ich jetzt keine Aufträge mehr annähme, hätte ich in Deutschland bis ans Ende meines Lebens zu tun.
Wir beenden das einstündige Telefonat, der Anrufbeantworter blinkt. Schon wieder haben fünf Anrufer ihr Anliegen bei Benny Rebel hinterlassen.

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