Stadt Kind / Oktober 2006

UNGEZÄHMTER IDEALISMUS

Der Tierfotograf Benny Rebel

docu0004

Für Benny Rebel ist die Fotografie Mittel zum Naturschutz. Gerade deshalb legt er größten Wert auf die Qualität und Originalität seiner Aufnahmen. Um den Menschen die Schönheit und Einzigartigkeit der Natur so nahe, wie möglich zu bringen, begibt er sich selbst in ihre unmittelbare Nähe: Auge in Auge mit wilden Tieren.

Benny Rebel wurde 1968 im Iran geboren und lebt seit 1987 in Hannover. Seit 1988 engagiert er sich aktiv für den Tierschutz. Als Förderer und Mitarbeiter unter anderem bei Greenpeace, dem WWF und der Heinz-Sielmann-Stiftung, entdeckte er schließlich die Fotografie als seinen Weg, den Menschen für die Natur zu interessieren. Alles über die Fotografie und alles über wilde Tiere, so hieß es folgerichtig einige Jahre für Benny Rebel. Im Jahr 2000 zeigte eine erste Fotoausstellung ("To beautiful to die") die Ergebnisse seiner Bemühungen. Die Anerkennung ließ nicht lange auf sich warten. Zahlreiche auch internationale Preise bestätigten ihn in seiner Arbeit. Unter Einsatz seines Lebens sucht er die ganz besondere Nahaufnahme, jenes Foto, das einen Menschen hier bei uns derart bewegen kann, dass es wiederum Auslöser wird für einen praktizierten Umweltschutz. Nicht seine Person, die Arbeit für den Tierschutz steht im Mittelpunkt. Seinem Idealismus ist alles andere untergeordnet. "Der einzelne Mensch kann doch sowieso nichts ändern", hört man allzu oft. Benny Rebel entlarvt diesen Ausspruch als schlechte Entschuldigung.

Von Deinen Fotografien, insbesondere den Aufnahmen wilder und exotischer Tiere, geht eine einzigartige Ausstrahlung aus. Was ist das Besondere an Deiner Fotografie?

Ich möchte den Menschen begreiflich machen, dass sie mit der Achtung und dem Schutz der Natur letztlich sich selbst als Glied des irdischen Lebenszyklus dienlich sind. Mit ergreifenden Tierbildern, solchen, die die Menschen emotional berühren, hoffe ich, den Wert der Natur, und damit die Notwendigkeit ihres Erhalts zum Ausdruck zu bringen. Ich trete daher bei meinen Fotoaufnahmen so unmittelbar in Kontakt zu meinen Motiven, wie nur möglich. Denn nur der direkte Kontakt zum Tier spiegelt sich in besonderer Weise in den Augen des Bildbetrachters wider.

Wie ist es möglich, sich an so gefährliche Tiere wie Raubkatzen oder Nashörner heranzuwagen, ohne angegriffen zu werden?

Bevor ich in der Wildnis ein bestimmtes Tier fotografiere, versuche ich, mich durch theoretisches Studium der Verhaltensweisen der Spezies, auf alle denkbaren Konfrontationen vorzubereiten. So habe ich u.a. eine Rangerausbildung absolviert. In der Tat habe ich auch schon einige Angriffe von Tieren erlebt. Aber meine intensiven Vorbereitungen halfen mir zum Glück bislang, aus den gefährlichsten Situationen mit dem Leben davon zu kommen. Ein Beispiel: Dem Angriff eines Nashorns ist der Mensch körperlich natürlich unterlegen. Aber, Nashörner sind fast blind und reagieren auf bestimmte, leicht nachzuahmende Zischgeräusche mit Fluchtverhalten. Weiß man dies, so ist es nicht schwer, einen Nashornangriff abzuwehren.

In erster Linie bist Du also Tierschützer - die Kunst des Fotografierens dient Deinem Anliegen.

Ich habe diese Verbindung, die Fotografie als Medium des Tierschutzes, eigentlich durch Zufall entdeckt. Tier- und Landschaftsbilder meiner ersten Fernreisen weckten in meinem Freundeskreis so viel Begeisterung, dass ich mir fortan autodidaktisch über Fachzeitschriften und Lehrbücher das technische Know-how aneignete, um die erkannte Methode zu perfektionieren.

Im Juni d.J. ist Dein erster Bildband veröffentlicht worden: "Ungezähmt - Tiere der Wildnis". Heinz Sielmann schreibt in dem Vorwort des Buches, dass Deine Bilder tiefe Gefühle in dem Betrachter wecken - dies sei die größte Auszeichnung für einen Fotografen.

Heinz Sielmann ist ein großes Vorbild - ich bewundere sein Lebenswerk und bin stolz auf die Worte, die er meinem Buch gewidmet hat. Der Bildband soll zum einen dem Betrachter den Zauber der Natur vermitteln. Zum anderen unterstütze ich mit einem 10%igen Anteil des Erlöses mein derzeit vorrangiges Naturschutzprojekt " Mensch & Tiger", das den indischen Tiger vor dem Aussterben zu bewahren helfen soll. Der Tiger in Indien ist - wie auch leider viele andere wunderschöne Tierarten - akut vom Aussterben bedroht. Zur Herstellung potenzfördernder Mittel und anderem Hokuspokus werden Teile des toten Tieres, vor allem in Asien, teuer gehandelt. Da also ein toter Tiger für den Großteil der in Armut lebenden indischen Bevölkerung derzeit mehr wert ist, als ein lebendiger, erzielen die mittlerweile existierenden gesetzlichen Jagdverbote faktisch keine Wirkung. Nachhaltig wird man das Tier nur schützen und erhalten können, wenn man der dortigen Bevölkerung einen Wert an dessen Leben vermittelt.

docu0006

Wie ist das Projekt denn genau organisiert? Gibt es konkrete Arbeit vor Ort in Indien?

Oh ja, das Projekt unterstützt z.B. bereits die Finanzierung und Errichtung von Biogasanlagen, damit die Bevölkerung nicht durch die Rodung der Wälder die Lebensräume der Tiere zerstören muss. Herr Dieter Gutmann, der langjährige Tiger-Safari-Erfahrung hat, ist maßgeblich vor Ort für die Realisierung des Vorhabens verantwortlich, bzw. tätig. Auch die Gründung und der Ausbau von Schulen sind Teil des Projekts, da Aufklärung und Bildung fundamentale Vorraussetzung für die langfristige Verbesserung des Lebensstandards sind. Ferner werden Nationalparks "aufgerüstet", um auch dem dortigen Gewildere das Handwerk zu legen. Die Realisierung erfolgt durch ein mittlerweile gefestigtes Netzwerk unterstützender Organisationen. Es ist schon grotesk, der Tiger ist weltweit - auch in Indien - das mit Abstand beliebteste Tier, und dennoch, oder wohl grade deshalb ist die Jagd auf ihn erbarmungslos.

Betreibst Du auch lokalen Tier- und Umweltschutz?

Mit meinen Tierfotos besuche ich, wenn ich nicht auf Reisen bin, hier in Hannover Kindergärten und Schulen und versuche, durch Dokumentation meiner Arbeit bei den Kindern so früh wie möglich eine Bewusstwerdung für die Natur und deren Achtung anzustoßen. Bislang habe ich damit nur positive Erfahrungen gemacht. Kinder sind so begeisterungsfähig und wißbegierig. Erschreckend ist es allerdings, immer wieder feststellen zu müssen, wie verbreitet die Unkenntnis sogar in Bezug auf die heimische Fauna ist.

Hast Du auch ein Auge auf die Tiere im hannoverschen Zoo?

Ein weinendes und ein lächelndes. Zoos sind definitiv notwendig, zumindest solche, wie der hiesige. Dort werden Forschungsarbeiten über das Verhalten der Tiere betrieben, die für den Tierschutz zwingend notwendig sind. Erst, wenn man die Tiere versteht, kann man ihnen helfen. In den gut geführten Zoos - auch in Hannover - werden wichtige Auswilderungsprogramme realisiert. Zum Beispiel hat man auf diesem Wege eine seltene, fast ausgerottete Antilopenart erhalten können. Von dieser Spezies gab es zwischenzeitlich kein einziges wildes Tier mehr. Durch mühevolle Pflege und die anschließende Auswilderung unter paramilitärischem Schutz in Afrika konnte diese schöne Art gerettet werden. Tiergehege, die der bloßen Zurschaustellung dienen, sollten verboten werden.

Was sagst Du denen, die sich als Einzelperson hilflos fühlen, ein so großes Anliegen, wie den globalen Tierschutz, zu unterstützen?

Jeder kann etwas bewirken, wenn er nur will, und jeder Helfer zählt! Ich denke, ich habe auch schon einiges bewirken können, auch als Einzelperson.

Kommentare sind deaktiviert