Sammellinse 01 / 2002

FASZINATION KRÜGERPARK

sammellinse_01_2002

Fünfzehn Meter Abstand zu einem Löwenrudel. Ich sitze im Gras zwischen zwei Wildhütern. Sie bieten mir Schutz auf meiner Fotosafari. Wir sind zu Fuß unterwegs. Plötzlich kommt ein männlicher Löwe auf uns zugerannt. Ich spüre die Urangst in meinem Körper. Mein Atem stockt. Soll ich den Auslöser drücken? Oder lieber die Kamera fallen lassen und weglaufen? - Die Wildhüter stehen auf. Das Gewehr schussbereit. Gott sei dank schaffen sie es, den Löwen durch lautstarkes Schreien aufzuhalten. Ich bekomme das Signal zum Rückzug. Wir sind den Löwen doch etwas zu nahe gekommen.

Dieser Adrenalinschock hat mir so gut gefallen, dass es mich zwischen 1998 und 1999 fünf Mal in den Krüger-Park gezogen hat. Nashörner, Elefanten, Büffel, Löwen und Leoparden (die berühmten Big Five) sind hier zu Hause. Soweit man sehen kann, unberührte Natur, endlose Savannen und Steppen, durch die unzählige Herden von Wildtieren streifen. Sie sind stets auf der Suche nach Wasserstellen und Nahrung. Mit einem geübten Auge und etwas Glück bekommt man hier unter anderem oft edle Raubtiere vor die Linse. So habe ich schon mehrmals Löwen, Geparden, Wildhunde und Leoparden fotografieren können. Die besten Aufnahmen gelingen jedoch vom Auto aus, da man viel mehr Equipment mitnehmen kann. Außerdem braucht man keine Angst zu haben, von gefährlichen Tieren attackiert zu werden, weil sie das Fahrzeug weder als Feind, noch als Beute betrachten. Der optimale Mietwagen für uns Tierfotografen ist ein Geländewagen. Da aber deren Miete sehr hoch ist, kann man auch einen Toyota Venture mieten. Man sitzt im Venture genauso hoch, wie in einem Geländewagen. Das ist wichtig für die Tiersuche, da man so das Gelände besser überblicken kann. Der Innenraum des Ventures bietet sogar mehr Platz als die meisten Geländewagen. Zudem kostet der Venture nur die Hälfte, weil er keinen Allradantrieb aufweist. Das soll aber keine Werbung für Toyota sein, sondern nur ein Tipp, günstig und gut zu reisen. Fahrzeuge verschiedener Hersteller können direkt im Hauptcamp "Skukuza" des Krüger-Nationalparks gemietet werden. Es gibt insgesamt über zwanzig Camps im Park, die ganzjährig Unterkünfte jeder Preisklasse anbieten. Zelten ist in den meisten Camps möglich. In einem Park mit einer Größe von 1,9 Millionen Hektar, (das entspricht etwa dem Staatsgebiet Israels), ist es nicht einfach, den Überblick zu behalten.

Der Krüger-Nationalpark ist etwa dreihundertfünfzig km lang. Auf den geteerten Straßen darf man max.50 km/h fahren. Deswegen braucht man ca.7-8 Stunden, um vom einen Ende zum anderen zu gelangen. Das sind allerdings nur theoretische Angaben, denn man schafft es so gut wie nie, diese Strecke an einem Tag zu durchfahren. An einer Stelle blockieren Elefanten die Strasse, an einer anderen sitzt ein Löwe am Straßenrand, umzingelt von zwanzig Autos, deren Insassen das Tier beobachten wollen. Dadurch versperren sie die ganze Straße.
Eine andere Ursache für den zähfließenden Verkehr können Paviane sein. Sie sind die Artisten der Savanne und sorgen stets für gute Laune. Sie springen oft auf Autodächer und betteln um Futter. Das ist lästig und kann bei offenen Fenstern auch gefährlich werden. Allein wegen der Fotostops sollte man nicht zu große Tagesetappen einplanen. Bei etwa max.100 km pro Tag bleibt noch ausreichend Zeit für die "Fotopirsch".

Gezielt fotografieren:

Wenn ich Affenbrotbäume in traumhafter Umgebung, weite Landschaften, Vögel, Elefanten oder Geparde fotografieren möchte, fahre ich in den Norden des KNP. Die dortige Vegetation ist nicht so dicht, wie im Süden. Daher ist es z.B. leichter, Vögel zu entdecken. Elefanten und Geparde ziehen es vor, sich im offenen Gelände, im sogenannten Grasland, aufzuhalten. Affenbrotbäume kommen nur im Norden vor. Die Landschaft ist hier einfach überwältigend. Vielfältiger und tierreicher ist es dagegen rund um das Skukuza Camp, welches sich im mittleren Bereich des KNP befindet. Das Angebot an "Tiermodels" ist groß. So muß man ständig anhalten, um das nächste Tiererlebnis zu fotografieren. Schon mehrmals habe ich hier Leoparden entdeckt, die eigentlich sehr schwer zu finden sind. Die Tierfotografen bezeichnen diese Gegend als deren Paradies und das sicherlich zu Recht. Naturfotografen aus aller Welt kommen hierher. 147 Säugetierarten, 507 Vogelarten, 114 Reptilienarten stehen vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang Modell. Bezogen auf die Fläche des Krüger-Nationalparks, ist hier die größte Dichte der vorhandenen fünfzehn Adlerarten.

sammellinse2_01_2002

Tipps für Naturfotografen:

Für den KNP braucht man kein Tarnzelt, weil außerhalb der Camps das Fahrzeug nicht verlassen werden darf. Es emmpfiehlt sich jedoch, ein Tarnnetz mitzunehmen. Dieses kann beim Fotografieren vor das Fenster gehängt werden. Dadurch erkennen die Tiere keine menschliche Silhouetten im Auto, die sie erschrecken könnten. Ein Scheibenstativ erspart Ihnen den Ärger mit verwackelten Aufnahmen. Als Alternative kann auch ein Bohnen- oder Reissack auf das heruntergekurbelte Fenster gelegt werden, um Kamera und Objektiv zu stützen. Ein ausreichender Regenschutz ist für Ihre Ausrüstung, vor allem zur Regenzeit, unerläßlich. Eine gute Kameraversicherung ist ratsam, besonders für Fotografen mit teurem Equipment. Filmmaterial ist in fast allen Camps erhältlich, jedoch sind die Preise deutlich höher und die Auswahl deutlich geringer als in Deutschland. Hinzu kommt, dass die Art und Dauer der Filmlagerung manchmal nicht optimal ist. Als Ersatz sollte auf alle Fälle eine zweite oder gar dritte Kamera mitgenommen werden. Dies gilt auch für das Lieblingsobjektiv. Bei meinen Reisen gab es bei der Ausrüstung immer wieder Ausfälle. Hohe Luftfeuchtigkeit, hohe Temperaturen oder Sand könnten die Ursache gewesen sein.

Weitere Hinweise:

Malariaprophylaxe ist unbedingt notwendig. Auch Billharziose ist inzwischen in fast allen Flüssen zu finden, jedoch gut informiert und vorbereitet ist der Krügerpark zu jeder Jahreszeit eine Reise wert.

Paul Krüger (ehemaliger Präsident Südafrikas, nach welchem der Park benannt wurde), erkannte bereits vor etwa 100 Jahren die Schönheit dieser Landschaft mit all seiner Flora und Fauna. Deshalb machte er es sich zur Aufgabe, dieses kleine Paradies unter besonderen Schutz zu stellen. Hier seine eigenen Worte: "Wenn es mir nicht gelingt, dieses kleine Stück Land unter Schutz zu stellen, werden unsere Enkelkinder nicht mehr wissen, wie ein Kudu, eine Elanantilope oder ein Löwe aussehen".

Benny Rebel
wurde 1968 im Iran geboren und ist seit zwei Jahren Mitglied der BSW Fotogruppe Hannover.
Während seiner Exkursionen fotografiert er mit Canon EOS 1V-HS und EOS 1N-RS. Diverse 14 bis 400-mm-Objektive mit und ohne Bildstabilisator, Teleconverter, Zwischenringe, einige Blitzgeräte, Aufhellschirme und unterschiedliche Stative gehören zu seiner Ausrüstung. Für Porträts verwendet er den Fujichrom Astia 100. Bei kontrastreichen Motiven kommt der Fujichrom Provia F100 (Diafilm) zum Einsatz.

"Mit der Fotografie möchte ich meine Liebe zur Natur ausdrücken. Dabei spielt der Gedanke an den Umweltschutz eine besondere Rolle. Gerade die junge Generation möchte ich mit meinen Bildern für dieses Thema sensibilisieren.

Ich wünsche mir, dass meine Naturbilder dem Betrachter ins Herz gehen und in ihm den Wunsch erwecken, einen kleinen Beitrag für die Bewahrung der Schönheit unserer Erde zu leisten.

Naturfotografie ist meine große Leidenschaft. Außerdem widme ich mich auch noch gern der Porträt- und Makrofotografie. Am liebsten bereise ich afrikanische Länder, dort speziell Tierreservate und Naturschutzgebiete."

Kommentare sind deaktiviert