National Geographic

National Geographic (World), Ausgabe 06/2007

National Geographic Juni 2007

Hautnah!

Wilde Tiere vor der Kamera

Der Fotograf Benny Rebel wagt sich bis auf wenige Zentimeter an wilde Tiere heran und macht so atemberaubende Fotos. Das ist seine Art, sie „einzufangen“. Auf dieser Weise möchte er ihre Schönheit und Verwundbarkeit zeigen.

Menschenduft liegt in der Luft. Die Nashörner sehen den Zweibeiner, der sich aus 100 Meter Entfernung nähert, noch ganz verschwommen. Aber sie riechen und hören ihn. Und normalerweise greifen sie den Menschen an oder laufen weg. Es ist der Tierfotograf Benny Rebel, der sich langsam an die grauen Kolosse heranschleicht. Ohne hektische Bewegungen, Schritt für Schritt. Dann steht er der gefährlichen Nashornkuh, die sich wie durch ein Wunder ruhig verhält, Auge in Auge gegenüber. Jetzt macht er dieses Foto. Warum begibt sich der 38-Jährige Hannoveraner, der im Iran aufwuchs, in solche Gefahr?

„Es ist viel gefährlicher, nachts allein durch New York oder Berlin zu gehen als durch den Krüger Nationalpark“, sagt Benny Rebel, der vor allem auch Umweltschützer ist und sich das Fotografieren selbst beigebracht hat. In einem Jahr las er 200 Bücher darüber. Ein „Selfmademan“. Das Wissen über die Tiere hat er sich während vieler Aufenthalte in Afrika und in seiner Ausbildung zum Ranger angeeignet.

Hat er keine Angst?

„Ich weiß, dass jede Reise meine letzte sein könnte“. Er stand gefährlichen Tieren wie Leoparden, Löwen und Nashörnern gegenüber. Nicht aus Abenteuerlust oder Leichtsinn, sondern weil er mit seinen Bildern die Menschen wachrütteln will. Um ihnen zu zeigen, wie einzigartig und faszinierend die Natur und die Tiere sind. „Ich möchte sein wie der Vogel auf dem Rücken eines Elefanten, den der Elefant gar nicht mehr wahrnimmt“, sagt Benny Rebel. Aber er macht nicht nur Fotos von den großen und gefährlichen Tieren. Gerade auch die kleinen und harmlosen – Zebramangusten, Erdhörnchen, Schildkröten – möchte er schützen und retten. Und die Chamäleons.

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Das Foto des grünen Verwandlungskünstlers etwa, dass du vom Titelbild kennst, ist so entstanden:

Ein Chamäleon läuft über eine Schotterstrasse. Der Fotograf sieht es und hat Sorge, dass es von einem Auto überfahren wird. Benny Rebel nimmt das Tier hoch. Er setzt es neben der Strasse ab. Dann legt er sich flach auf die steinige Erde. Er drückt auf den Auslöser seiner Kamera. Manchmal muss er lange auf seine „Fotomodels“ warten. Einmal wollte er Antilopen in Kenia fotografieren. Vier Wochen harrte er aus. Jeden Tag 13 Stunden. Vergeblich. Die Tiere überquerten den Fluss, an dem er auf sie lauerte, nicht. „Die wilden Tiere sind nicht immer da, wo man sie gerne hätte. Und tun nicht, was man von ihnen erwartet“, sagt Benny Rebel.

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Die Fotos sind dem Buch „Ungezähmt“ von Benny Rebel entnommen. 176 Seiten mit zahlreichen Farbfotos, Herbig Verlag, 41,10 €

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