Mythos Tiger

HAZ 07.08.07

Erst Indien, dann Iran:

Vier Monate hat Tierfotograf Benny Rebel an zwei Filmdokumentationen gearbeitet. Nun zeigt er den Bilderschatz einer aufregenden Expedition.

Hannoversche Allgemeine 07.08.07

Jetzt also auch das Medium Film: Der engagierte Umweltschützer und Naturfotograf Benny Rebel, nach zwei Buchveröffentlichungen und mehr als 30 Fernsehauftritten in den vergangenen zwei Jahren mittlerweile eine internationale Größe, hat die Aufnahmen für seine ersten beiden Filmdokumentationen abgeschlossen.

Der 39-Jährige Hannoveraner streifte dafür zunächst einen Monat lang durch das indische Hinterland, um sich dort den letzten vom Aussterben bedrohten frei lebenden Tigern zu nähern. Anschließend zog er drei Monate quer durch den Iran, um die Einzigartigkeit der Landschaft einzufangen. „Bei all den politischen Wirrnissen, über die täglich aus dem Iran berichtet werden, weiß doch kaum jemand, dass das Land über die ältesten, noch intakten Urwälder der Nordhalbkugel verfügt“, sagt Rebel.

Zwei jeweils einstündige Filme werden nun aus dem gesamten Material Rebels produziert, Unterstützung bekommt er dabei unter anderem von der hannoverschen Filmproduktionsgesellschaft TVN, ein Tochterunternehmen der Verlagsgesellschaft Madsack ist. TVN werde den „Mythos Tiger“ auch vermarkten, sagt Rebel, der im Vorfeld finanziell von einem früheren Manager des Mineralölkonzerns Shell unterstützt wurde.

Noch vor weniger als 100 Jahren lebten mehr als 100 000 Tiger auf unserem Planeten, heute seien es keine 5 000 mehr, sagt Rebel. In Indien würden sie im Auftrag der chinesischen Mafia von nahezu mittellosen Landbewohnern gejagt, die für das Töten eines Tigers um gerechnet 100 Euro kassierten. Verdien aber werden an einem Tier laut Rebel mehr als 300 000 Euro, weil eine Fülle von Tigerpräparaten in der chinesischen Medizin eingesetzt werde, zum Beispiel zur Förderung der Potenz, zur Bekämpfung von Faulheit oder zur Reinigung der Haut.

„Seine Schönheit ist dem Tiger zum Verhängnis geworden“, klagt der Fotograf aus Ricklingen. Die Zahl der in Indien noch nicht abgeschossenen Tiger wird auf maximal 1500 geschätzt, einige dieser Prachtexemplare – für Rebel der Inbegriff von Eleganz, Kraft und Herrschaftlichkeit – hat er vor die Kamera bekommen. Dieser Begegnung ist der eine Teil des Filmes gewidmet, der andere beschäftigt sich mit dem Kampf von Tierschützern gegen die Ausrottung der Art. Er zeigt die Arbeit des Projektes „Mensch und Tiger“.

Den vier Wochen während der Aufnahmen in Indien folgte ein Vierteljahr im Iran.

Für Rebel war es eine ebenso aufregende Zeit, vor allem deshalb, weil er gebürtiger Iraner ist und – von einer Stippvisite im vergangenem Jahr abgesehen – es seine erste längere Berührung mit seiner Heimat war.

Mit einem von ihm umgebauten Geländewagen, einem Nissan Patrol mit Vierradantrieb, durchquerte er „das vielleicht vielfältigste Landschaftsgebilde der Erde“. Er sah Wüsten wie in Namibia und einen Regenwald wie auf Indonesien. Der Iran bietet alles, was sich ein Naturfreund wünsche, schwärmt Rebel.

Zu seiner Überraschung hat er das Land, das „größer als Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien zusammen“ sei, als besonders engagiert im Naturschutz kennengelernt. Ins gesamt 38 Nationalparks seien ausgewiesen, in eineigen Reservaten lebten nur einige wenige Ranger, die Natur bleibe weitgehend sich selbst überlassen, großflächige Abholzungen von Wäldern seien ihm nicht bekannt.

Zurück in der Bürowohnung in der Stammestraße geht es nun zunächst wieder ans Geldverdienen. Zwei Bücher hat Rebel in diesen Wochen veröffentlicht, unter anderem das erste Afrikabuch in der besonderen Drucktechnik, die mit einer speziellen Brille das Betrachten von Motiven in dreidimensionaler Optik ermöglicht. „Die Tiere Afrikas in 3-D“ ist ebenso wie der zweite, ebenfalls hochwertig produzierte Bildband „Ungezähmt“ im Buchhandel erhältlich. Der Band „Ungezähmt“ bietet eine Art „Best of“ seiner zahlreichen Fotoexkursionen durch Afrika, Asien und Südamerika.

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