Hörzu 29.04.10

Keine Angst vor wilden Tieren

Niemand wagt sich mit der Kamera so nah an wilde Tiere heran wie BENNY REBEL. Seine Bilder sind faszinierend. Seine Geschichten auch

Hoerzu_29-04-10Der will nur spielen - da ist sich Benny Rebel sicher. Ganz nah traut sich der Fotograf an den jungen Löwen heran, der mit der Tatze nach dem Objektiv angelt. ,,Seine Mimik zeigt Aufmerksamkeit und Neugierde" sagt der 4l-jährige. ,,Das erkennt man am entspannten Gesichtsausdruck, an den aufgestellten Ohren und an den weit geöffneten Augen." Rebel weiß das so genau, weil er bei erfahrenen Rangern in die Lehre ging und sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Verhalten wilder Tiere beschäftigt. Seit 20 Jahren unternimmt der geborene Iraner Foto-Expeditionen, vor allem nach Afrika - nicht um Wildtiere aus der Ferne zu porträtieren, sondern um sie ganz nah in Aktion zu zeigen. Er weiß: ,,Bevor eine Katze angreift, legt sie die Ohren an, zieht die Nase kraus, fängt an zu fauchen, wedelt sachte mit der Schwanzspitze. Sobald ich die ersten dieser Zeichen wahrnehme, ziehe ich mich langsam zurück"
Dieses Wissen schützt den Fotografen. In gefrhdiche Situationen gerät er manchmal trotzdem. Auf einer seiner frühen Expeditionen lag er einmal nachts in seinem Zelt im Camp eines Nationalparks, als wenige Meter neben seinem Lager Löwengebrüll ertönte. ,,So laut, dass der Boden unter
meinem Zelt vibrierte. Ich hatte unbeschreibliche Angst", so Rebel. Und nun? Das Zelt verlassen? Aber was, wenn das Tier dadurch noch mehr gereizt würde? ,,Ich legte mich auf den Rücken, hielt mir den Mund zu, um nicht vor Angst unkontrollierte Geräusche zu machen, und klappte mit der anderen Hand mein Taschenmesser auf." So verharrte er, lauschte den Schritten des Löwen, erkannte an entfernteren Geräuschen, dass ein zweiter in der Nähe war - und hörte nach einer Dreiviertelstunde, dass sich der erste Löwe verzog. ,,Ich blieb mit verhärteten Muskeln zurüch konnte nicht mehr einschlafen und war am nächsten Tag wie traumatisiert."

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Die Tiere lügen nicht
Rebel musste auch schon Tiere aktiv in die Flucht schlagen: ,,Bei Raubkatzen sollte man sich ganz groß machen und laut Aggressionen zeigen. Nashörner dagegen können nur schlecht sehen und lassen sich eher durch das Imitieren ihrer Angrifslaute bremsen. Dass sie attackieren wollen, erkenne ich daran, dass sie aufhören zu grasen, den Kopf heben, die Ohren in meine Richtung drehen und ihren Angriffslaut ausstoßen: ein pfeifendes Geräusch. Flusspferde geben wieder andere Zeichen: Sie "gähnen", wenn sie einen nicht mögen. Bullen nehmen auch Wasser ins Maul und spritzen es hoch. Tiere verhalten sich sehr eindeutig sie lügen nie."
Für seine Bilder kommt Rebel den Tieren so nah wie kaum ein anderer. Doch auch die Wahl des Superweitwinkel-Objektivs trägt zur Faszination seiner Fotos bei. ,,Gehe ich damit nah an die Tiere ran, wird alles im Vordergrund dramatisch vergrößert. Die Motive wirken zwar oft verzerrt, etwa weil eine Tatze größer ist als der Kopf. Aber man wird in die Bilder hineingesogen."
Hoerzu_29-04-10_0004Ohne Waffe in der Wildnis
Drei Kameras, 15 Kilo Equipment und zwei Liter Wasser hat Benny Rebel bei sich, wenn er zu Fuß durch die Reservate streift. Die übrige Technik bleibt im Basislager. Er weiß, dass sein Job gefährlich ist und ein Rest Unberechenbarkeit immer bleibt. Aber es ist ihm ein Anliegen, mit seinen Bildern die Schönheit der Natur zu zeigen und für deren Schutz zu werben. Zum eigenen Schutz hat Rebel stets Pfefierspray, Funk- und GPS-Gerät sowie Zange, Messer und Knochensäge dabei - aber keine Waffe: ,,In 20 Jahren hat mich nie ein Tier verletzt." Sein einziger Unfall war ein Sturz: ,Als ich im Iran der Spur eines Bären folgte, rollle ein großer Stein unter mir weg, ich verdrehte mir das Knie. Alle Menisken und das Kreuzband waren gerissen. Aber das war meine eigene Dummheit."

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