Er brüllt schon mal die Löwen an

Neue Presse, 22.04.2010

Benny Rebel ist gefragter Tierfotograf

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Ein Foto an der Wand einer Altbauwohnung in Ricklingen. Ein Löwe aus nächster Nähe: buschige Mähne, die goldenen Augen starr auf die Linse gerichtet, die Zähne bedrohlich gefletscht.
Wer sich in solche Situation bringt und dann noch Zeit hat, den Auslöser seiner Kamera zu betätigen muss völlig verrückt sein - könnte man meinen. Doch Fotograf Benny Rebel (41), an dessen Wohnzimmerwand das Foto hängt, ist alles andere. "Ich bin weder lebensmüde noch Adrenalinjunkie", sagt der gebürtige Iraner. Löwen seien durchschaubar. Es gebe Anzeichen, ob sie entspannt seienoder sich auf einen Angriff vorbereiten. "Sie legen die Ohren an, setzen zum Sprung an und brüllen. Dann bleibt nur stehen bleiben, sich so groß wie möglich machen und zurückbrüllen", schildert der ausgebildete Ranger. Mit etwas Glück ließe sich der Löwe so von der Attacke abhalten.

Bei Rebel selbst hat das schon funktioniert - un zu spektakulären Aufnahmen geführt. Weltweit ist er für seine hautnahe Tierfotografie bekannt. "Das klappt nur, weil ich alle meine Expeditionen vorab akribisch plane", sagt er, "ich fotografiere nicht, was mir gerade vor die Linse kommt. ich habe genaue Vorstellungen, welche Bilder ich gerne realisieren würde." Die Gefahr sei zwar vorhanden, doch er bereite sich gut auf seine tierischen Modelle vor: "Ich lese viel über sie, versuche mir ihre Verhaltensweisen einzuprägen."

Seit etwa 20 Jahren bannt er die Wildnis auf Fotos, und bereits mit acht oder neun fing er im Iran Giftschlangen. "Ich habe sie gern mit nach Hause gebracht. Meine Familie ist dann immer geflüchtet. Die hatten einfach kein Verständnis für mein Hobby", erzählt Rebel und lacht. "Meine Mutter fragt mich heute noch: "Wann willst du eigentlich anfangen, etwas Richtiges zu machen?"

Das Richtige wäre wohl Ingenieur gewesen. "Mit 19 bin ich in Deutschland hängen geblieben, habe Maschinenbau studiert. Doch das war nicht das Richtige für mich. Nachdem mein Vater 1995 gestorben war, beschloss ich, das zu machen, was mich glücklich macht", erzählt Rebel, "ich bin ein geborener Tierschützer, und so lag die Tierfotografie nahe."

 Nach einem Urlaub hatte er den Aha-Effekt: "Ich habe Freunden meine Aufnahmen gezeigt. Sie waren sichtlich beeindruckt, und ich merkte, dass man mit Fotos Emotionen wecken kann." Die wollte und will er auch für den Tierschutz nutzen: "Das ist einfach meine Berufung."

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