Digital PHOTO, Ausgabe 12 / 2010

Weltenbummler: Benny Rebel in Südafrika

Raubkatzen-Safari mit fliegender Kamera

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Auf der Suche nach neuen Wildlife-Bildern setzt Benny Rebel auf Hightech Marke Eigenbau. Wenn er seinen Oktokopter über der Savanne schweben lässt, schauen Löwen und Leoparden neugierig zu dem Fluggerät auf. Hier der Erfahrungsbericht des Fotografen.

Luftbildaufnahmen von Tieren, die aus nächster Nähe entspannt in die Kamera blicken, sind selten. Ich hatte mir 2002 in den Kopf gesetzt, eben solche Bilder zu realisieren. Mit einem flugfähigen Gerät, das meine Kamera in der Luft trägt, wollte ich über eine Fernsteuerung Luftbilder von wilden Tieren machen. Dabei wollte ich in möglichst geringer Höhe über ihnen fliegen. Das Flugobjekt sollte also möglichst klein und leise sein, damit die Tiere nicht gestört oder gar die Flucht ergreifen würden.
Soweit so gut, doch ich hatte keine Ahnung, wie ich meinen Plan in die Tat umsetzen könnte. Erste Überlegungen, einen Modellhubschrauber oder Minizeppelin einzusetzen, verwarf ich wieder. Zu teuer, zu sperrig, zu aufwendig in Wartung und Steuerung. Es vergingen einige Jahre, bis ich erstmals von „Mikrokoptern“ hörte. Diese Fluggeräte sehen spinnenartig aus und besitzen vier, sechs, acht oder zwölf Arme, an deren Ende jeweils ein Elektromotor montiert ist. Die Mikrokopter waren deutlich leiser, kleiner und leichter als die Geräte, die ich zuvor ausprobiert hatte. Zudem flogen sie auch mit Kamera sehr stabil und vibrationsarm und ließen sich überdies intelligent steuern. Der erste Oktokopter, den ich kaufte, hatte dennoch zwei eklatante Schwachstellen: Erstens betrug sein Durchmesser knapp einen Meter, was für mich viel zu groß war; zweitens konnte er keine Spiegelreflexkameras tragen. Ich war auf fachkundige Unterstützung angewiesen.
Nach meinen Erfahrungen mit dem ersten Oktokopter bat ich die Entwickler der Firmen Mikrokopter und Piepertec, ein Spezialgerät genau für meine Bedürfnisse zu konstruieren. Das Ergebnis war ein Oktokopter mit klappbaren Armen, der komprimiert nur 35 × 35 cm Grundfläche benötigt. Perfekt, denn so konnte ich es problemlos im Flugzeug oder Auto transportieren. Als Kamera kam eine Sony NEX-5 zum Einsatz, die ich nach weiteren Modifikationen aus der Ferne kontrollieren und auslösen konnte.
Meine Bilder wollte ich senkrecht nach unten fotograferen, weshalb ich die Kamera mit nach unten gerichtetem Objektiv im Oktokopter befestigte. Daraus ergab sich jedoch ein weiteres Problem: Da kein Horizont im Bildfeld zu sehen ist, erschwert sich die Orientierung in der Luft insbesondere beim Fotograferen aus geringen Höhen. Versucht man beispielsweise, einen drei Meter langen Löwen aus einer Höhe von zehn Metern zu fotograferen, fällt es schon aus einer Distanz von etwa 50 Metern schwer, das Tier in der Landschaft überhaupt zu finden.

Oft fliegt man mit der Kamera links und rechts an diesem Tier vorbei, ohne es im Sucher entdecken zu können. Bei einer maximalen Flugdauer von nur fünf Minuten bleibt nicht viel Zeit, ungenaue Positionierungen des Fliegers zu korrigieren. Ich flog deshalb anfangs vergleichsweise hoch, um dann langsam auf die gewünschte Höhe zu sinken. In Deutschland konnte ich die Position des Oktokopters dabei mit Hilfe eines GPS-Empfängers halten, was bei den Aufnahmen in Südafrika jedoch nicht funktionierte. Somit war ich gezwungen, sämtliche Funktionen manuell zu steuern, was natürlich die Arbeit erheblich erschwerte.

Als weiteres Problem kam immer wieder der Ausfall des Videosignals auf meiner Videobrille hinzu. Während des Fluges projizierte diese Brille auf mein rechtes Auge das Bild, das die Kamera gerade in der Luft sah, während ich mit meinem linken Auge dem Oktokopter am Himmel folgte. Zwei Dinge gleichzeitig zu sehen und zu verarbeiten stellte allerdings eine extreme Herausforderung dar – zumal wenn man zeitgleich blind die Schalter, Hebel und Knöpfe der Fernsteuerung bedienen muss und im Hinterkopf mitschwingt, dass jede Fehlbedienung zu einem kostspieligen Absturz führen kann. Als wäre das noch nicht genug Stress, muss man in der Wildnis zudem fortlaufend darauf achten, nicht von gefährlichen Tieren attackiert zu werden.

Pionierleistung in der Wildnis

Leider gestalteten sich Aufbau und Abbau des gesamten Systems ziemlich aufwendig. Bis der Oktokopter aus der Expeditionskiste herausgeholt und alle Systeme zur Bildübertragung und Fernsteuerung funktionsbereit waren, vergingen gut und gerne zehn Minuten oder mehr. Das ist hinderlich in der Wildlifefotografe, bei der vieles extrem schnell aufgenommen werden muss, bevor die Tiere wieder verschwunden sind. Auch ich habe zahlreiche interessante Situationen verpasst, weil der Aufbau des gesamten Systems zu lange dauerte. Doch da ich mir bewusst war, dass ich als Pionier etwas ausprobierte, was vor mir kein anderer Profi-Tierfotograf gemacht hatte, war ich auf anfängliche Schwierigkeiten gefasst. Spätestens, als ich dann endlich allen Widrigkeiten zum Trotz gute Ergebnisse erzielt hatte, waren alle Mühen schnell vergessen.

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