Das jähzornige Krokodil

Krokodile wirken auf den ersten Blick träge und schwerfällig. Dieser Schein trügt: Die Räuber beobachten mögliche Beutetiere mit beispielloser Geduld, um im richtigen Moment blitzschnell zuzuschlagen. Eile tut nicht not: Hat sich ein erwachsenes Tier erst sattgefressen, kann es dank dieser Reserve länger als ein Jahr überleben. Ich hatte die Ehre, eine dieser Kreaturen näher kennenzulernen. Freunde von mir betreiben in Südafrika ein Reservat, wo ich einige Monate als Ranger-Azubi arbeitete. Zu den Tieren im Wildschutzgebiet gehörte jenes große Krokodil, das auf dem Bild zu sehen ist. Es lebte mit anderen Artgenossen in einem weiträumigen Wasserloch. Die Wildhüter erklärten mir, dass dieses Reptil ein schlecht gelaunter Zeitgenosse sei und – sofern gestört – sofort angreife. Begegnungen mit ihm liefen stets wie folgt ab: Sobald jemand mit einem Stock gleichmäßig auf das Wasser schlug, nahm das Krokodil den Übeltäter aufs Korn. Dann ging es auf Tauchgang und schoss kurz darauf wie eine Rakete ans Ufer. Weil ich das Angriffsschema des Tiers kannte, traute ich mir nach einiger Zeit zu, ihm auf meiner Afrikareise mit der Kamera zu begegnen. Trotzdem war der damit verbundene Adrenalinkick nicht ohne … Inzwischen lebt das Tier nicht mehr im Reservat: Eine der jährlichen großen Fluten hat es mit sich fortgetragen.

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