Playboy, 1.5.2006

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Benny Rebel fotografiert wilde Tiere am liebsten aus nächster Nähe. So entstehen einzigartige Porträts. Bilder, für die Rebel sein Leben riskiert

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Eigentlich hatte er alles richtig gemacht. Trotzdem reagiert der Berggorilla böse. Sehr böse sogar. Auslöser ist bloß eine Kleinigkeit. Der Film in der Kamera ist voll, das Gerät klickt und spult automatisch zurück. Ein leises Surren nur, kaum zu hören. Doch der Berggorilla, zwei Meter groß und dreihundert Kilo schwer, stört sich gewaltig daran. Er rennt auf den Fotografen zu und baut sich bedrohlich vor ihm auf. Wenn er wollte, könnte er den Mann töten. Jetzt und sofort. Derlei Situationen sind für den 37 Jahre alten Benny Rebel fast alltäglich. "Allem, was in Afrika gefährlich werden kann, habe ich Auge in Auge gegenüber gestanden. Für besondere Bilder riskiere ich mein Leben", sagt er.

Benny Rebel kam eher zufällig zur Fotografie. 1987 siedelte er aus seinem Geburtsland Iran nach Deutschland über, nahm die Staatsbürgerschaft an, machte eine Lehre zum Feinmechaniker, studierte dann Maschinenbau, brach aber ab. Fortan jobbte er sich durchs Leben. 37 verschiedene Tätigkeiten hat er gezählt. Er reinigte Swimming-Pools, arbeitete auf dem Bau, verkaufte Schuhe.
Alles Jobs, die nur dem Zweck dienten, seine Reisen zu finanzieren. 1998 machte er seine ersten Fotos mit einer Kamera für 20 Mark. "Die Bilder waren Schrott", sagt Rebel heute. Gleichwohl merkte er, wie seine Tieraufnahmen die Menschen berührten. So wurde aus dem Umweltschützer Rebel der Tierfotograf Rebel. Ein Mann, der die Mittel der Fotografie bis heute dazu nutzt, "Werbung für Tierschutz zu machen".

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Alles Nötige brachte er sich selbst bei - auch das Wissen über die Tiere. Früh schon ahnte Rebel:" Um aufzufallen, brauche ich ein Markenzeichen. Ich muss etwas machen, was bisher noch keiner gemacht hat."

Und Rebel fand etwas: die besondere Nähe, die überraschende Perspektive, die Interaktion, die kein Teleobjektiv ersetzen kann. Bilder, die man nur dann bekommt, wenn man die Tiere kennt. Und liebt. Und sich in Lebensgefahr begibt. Immer wieder. "Es ist Intuition", sagt Rebel, "manchmal weiss ich auch nicht genau, warum ich mich einem Tier nähern kann." Intuition und Geduld. Manchmal wartet er einen Monat auf ein Bild, manchmal fährt er ohne ein Foto nach Hause. Auf jeden Fall ist er zufrieden, wenn von 40 000 Bildern einer Reise fünf richtig gut geworden sind.

So wie auch die Geschichte mit dem Gorilla gut endete. Allerdings nur, weil sich der mächtige Waldbewohner dazu entschloss, es bei einem Scheinangriff zu belassen. Rebel und seine Begleiter nahmen eine demütige Haltung ein und schlichen davon.
Ein Verhalten, das bei einem Löwen reichlich deplatziert gewirkt hätte. Den schreckt man nur ab, weiss Rebel, wenn man sich vor ihm aufbaut und ihn anbrüllt. "Wenn man viel über das Verhalten der Tiere weiss, bleibt man erstens länger am Leben und bekommt zweitens die Bilder, die man will." Er sieht die Sache pragmatisch.

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Aufs Überleben hat sich Rebel akribisch vorbereitet. Er ging bei afrikanischen Rangern in die Lehre. Doch mehr noch als die Tiere fürchtet er die Menschen. Leicht könnte er auf seinen Reisen Opfer von Rebellen oder marodierenden Banden werden. Wenn er im Busch unterwegs ist, präpariert er seine Kleidung deshalb mit Stecknadeln. Überall verstaut er sie. Im Kragen des Hemdes, in den Säumen der Hose. Für den Fall, dass er in Gefangenschaft gerät. "Die Waffen nehmen sie dir weg", sagt Rebel, "aber die Nadeln finden sie nicht." Und die können, das weiss er aus seiner Nahkampfausbildung, durchaus tödliche Waffen sein.
In Deutschland lebt Benny Rebel in einer übersichtlichen 2-Zimmer-Wohnung in Hannover-Linden. Mit Möbeln vom Discounter und vom Sperrmüll. Er sagt:"Wenn`s zum Überleben reicht, bin ich zufrieden." Bei ihm klingt das noch nicht mal pathetisch.

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