Natur & Kosmos

Die Wilden aus Afrika

Afrikas Tierwelt steht wie keine andere für Wildnis, Freiheit und Exotik. Der Artenschützer und Fotograf Benny Rebel hat mit der Kamera faszinierende Porträts dieser Tiere eingefangen.

docu0016Artisten der Savanne

Affen begeistern alle Besucher Afrikas. Paviane und ihr Familienleben ganz besonders. Zum Einen, weil sie relativ häufig vorkommen, und zum anderen, weil es einfach sehr unterhaltsam ist, unsere entfernten Verwandten zu beobachten und zu fotografieren. Die Jungtiere raufen miteinander, die Älteren lausen sich den Pelz oder streiten mit den anderen Gruppenmitgliedern ums Futter. Leider sind mittlerweile viele Tiere in den Nationalparks verhaltensgestört. Schuld daran ist der Mensch, weil er füttert und nicht an die Folgen denkt. Die Wildtiere verlieren nämlich mit der Zeit ihre Scheu. Zudem gilt in der Pavianwelt derjenige als rangniedriger, der sein Futter abtritt. Diese Vorstellung wird auf die fütternden Besucher und schließlich auf alle Menschen übertragen. Die Paviane werden immer dreister und aggressiver. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem sie von den Rangern erschossen werden müssen, weil sie zur Gefahr für Menschen geworden sind.

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Tödliche Vegetarier

Flusspferde sind zwar Vegetarier, töten aber in Afrika mehr Menschen pro Jahr als alle Raubtiere zusammen. Die friedlich aussehenden Kolosse sind schnell, stark und mitunter äußerst aggressiv. Selbst große Krokodile zeigen ihnen gegenüber Respekt. Tödliche Unfälle mit Menschen passieren meist in der Dunkelheit, wenn die Tiere das Wasser verlassen, um an Land zu grasen. Wir bemerken sie in der Finsternis des Busches zu spät: Dann kommt es drauf an. Entweder läuft das Tier weg - Glück - oder greift uns an - Pech -, und wir sind mit mehreren Tonnen Lebendgewicht konfrontiert. Wenn Flusspferde sich bedroht fühlen, laufen sie automatisch in Richtung Wasser, ihr Element. Gerät ein Mensch nun zwischen Flusspferd und Wasser und versperrt ihm den Fluchtweg, kann es tödlich enden. Manche Flusspferde attackieren sogar kleine Boote oder Kanus, wenn diese ihr Territorium durchqueren wollen. Auch solche Angriffe sind für die Insassen lebensbedrohlich.

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Wühler mit Untermieter

Wer die Nationalparks in Afrika selbst erleben möchte, ist meist mit dem Auto unterwegs. Nie sollte man schneller als Tempo 50 fahren. Kleintiere wie Chamäleons, Schildkröten, Klippschliefer oder Schlangen nimmt man sonst nicht einmal wahr. Zudem werden diese unscheinbaren Arten zu oft von Touristen überfahren. Auch Borstenhörnchen zählen zu denregelmäßigen Verkehrsopfern. Die Nagetiere buddeln riesige Familienhöhlen in allen Trockengebieten von Zentral- bis nach Südafrika. Solche Baue können 100 Eingänge haben und sich über eine Fläche von 2000 Quadratmetern erstrecken. In so eine Burg ziehen sie sich vor ihren zahlreichen Feinden zurück. Denn Borstenhörnchen stehen bei Schlangen, Greifvögeln und Erdmännchen auf dem Speiseplan. Manchmal schließen Borstenhörnchen jedoch Frieden mit Erdmännchen. Die Nager lassen sie in ihren Bauten wohnen, und dafür beschützen die Erdmännchen sie vor Schlangen.

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Gefiederte Randalierer

Vögel zählen zu den beliebtesten Tieren auf unserem Planeten. Wir bringen ihnen weit mehr Sympathie entgegen als Insekten, Reptilien oder Fischen. Egal ob es sich dabei um Flamingos, Graureiher, Perlhühner, Kaffernhornraben oder Webervögel handelt. Alle sind wunderschön anzusehen, ihre Gesangskunst beflügelt unsere Phantasie, und sie werden Menschen kaum gefährlich. Wenn sie wie die eindrucksvollen Kaffernhornraben auch noch Schlangen und Heuschrecken vertilgen, gelten sie schon fast als Heilige. Man verzeihtihnen sogar den einen oder anderen Imbiss im Erdnussfeld. Allerdings hört die Freundschaft auf, wenn sie zu Randerlieren werden. In Südafrika jagen Farmer die truthahngroßen Hornraben, weil sie mit ihrem kräftigen Schnabel Fensterscheiben einschlagen. Mittlerweile gelten die Vögel mit ihren langen Wimpern nicht nur deswegen als gefährdet: Ihr Lebensraum schrumpft, und sie finden immer weniger geeignete Bäume zum Brüten.

"Spielerisch ein Stück Wade rausgerissen"

Der Fotograf Benny Rebel über die Risiken und Freuden seiner Arbeit.

Herr Rebel, auf einigen Ihrer Bilder scheinen Sie beängstigend nah an den Tieren zu sein. Wie schafft man es, nicht zertreten oder gefressen zu werden?

Bei den Raubkatzen habe ich eine 1,5 Meter lange Stange benutzt. Und statt meines Kopfes hat meine Kamera einige Hiebe kassiert. Manchmal fotografiere ich auch per Fernauslöser. Dann hoffe ich, dass kein Büffel oder Elefant auf die Kamera tritt. Das Wichtigste ist allerdings zu wissen, wann man besser verschwindet.

Wie lernt man das? Fotografieren oder Tiere einzuschätzen?

Sowohl als auch.
Richtig gelernt habe ich weder das eine noch das andere. Ich bin kein Biologe oder gelernter Fotograf, sondern ausgebildeter Feinmechaniker. Eine ganze Menge über Tierverhalten habe ich aus Büchern erfahren. Hinzu kommt, dass ich gut und lange beobachte. Schon als Kind konnte ich genau sagen, wann die Tauben in unserer Nachbarschaft losfliegen würden. Kurz vorher nehmen sie nämlich den Kopf zwischen die Schultern, erledigen ihr Geschäft und heben dann ab.

Wann haben Sie angefangen Ihre Beobachtungen in Bildern festzuhalten?

Ich war jahrelang immer wieder in der Wildnis unterwegs und habe mich für Artenschutzprojekte eingesetzt. Freunde fanden meine damals mit so einer Ritsch-Ratsch-Kamera geknipsten Bilder gut, und ich dachte, warum nicht Fotos für den Artenschutz einsetzen. Das war 1998. Ich habe mir aus der Stadtbibliothek Bücher über Fotografie besorgt, Geld für die erste Kamera gesammelt, geübt und losgelegt.

Manipulieren Sie Ihre Bilder?

Nein. Außerdem entstehen die Aufnahmen mit wilden Tieren. 90 Prozent davon in den Nationalparks, einige in riesigen privaten Gehegen. Auch das Foto der Leopardendame etwa ist so entstanden (s. S. 20. Ganz langsam hat sie sich an mich gewöhnt und schließlich die Fotos zugelassen.

Also, ein zahmes Tier?

Nein, nein. Es gibt keine zahmen Leoparden. Dieses Weibchen hätte mich blitzschnell töten können. Ich hatte nur Glück. Einmal hat sie mir ein Stück Wade herausgerissen. Rein spielerisch natürlich.

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