“Hannoversche Allgemeine Zeitung” – 10.01.2006

Auf kurze Distanz

Er hat keine Angst vor wilden Tieren – aber gehörigen Respekt vor ihnen: Benny Rebel, Fotograf aus Linden, kommt Tiger, Panter & Co. so nah wie nur wenige.
Der Lohen des Risikos: internationale Anerkennung und Einzigartige Aufnahmen.

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Das ist nichts für schwache Nerven. Bis auf 20 Meter hat er sich dem Löwen genährt, mit der Kamera hat er die Großkatze im Visier. Der Löwe liegt da mit erhobenem Haupt, kein gutes Zeichen. Er spitzt die Ohren, schlägt mit dem Schwanz: Alarmstufe eins. Wenn er jetzt noch den direkten Blickkontakt sucht, gibt es nur eine lebensrettende Maßnahme – geordneter Rückzug. Das bedeutet langsamer Rückwärtsgang, möglichst geräuschlos, bloß keine hektischen Bewegungen, ja nicht umdrehen.
Benny Rebel (37) kennt diese gefährliche Momente mit Löwen und Leoparden, mit Büffeln, Nashörnern und Elefanten, er kennt sie aus Hunderten, meist harmlosen Begegnungen. Der Lindener Tier- und Naturfotograf zählt mittlerweile zu den Versiertesten seines Fachs. Er gewann bereits zweimal den international renommierten Fotowettbewerb „Austrian Super Circuit“, wurde von Lesern des „Fotomagazins“ zum Fotografen des Jahres gewählt, und seit ein paar Tagen ist der frühere Reggaemusiker auch ein viel gefragter Fernsehgast.

Der NDR zeigte einen einstündigen Film seiner letzten Expedition durch Südafrika, am 27. Januar ist Benny Rebel gemeinsam mit dem Liedermacher Konstantin Wecker (58) und der früheren Ministerpräsidentin von Schleswigholstein, Heide Simonis (62), in der NDR Talk-Show zu Gast bei Jörg Pilawa (40).

Angst? Natürlich hat auch Benny Rebel Angst: vor Menschen. Johannesburg, Kapstadt, dort machten sich Angst und Schrecken breit. „Auf offener Straße, bei helllichtem Tag. Es regiert die nackte Gewalt“. Aber jenseits der Stadtgrenzen wartet die schier endlose Faszination Afrikas, Rebels Welt. Gnus, Geparde, Gorillas, vier Monate im Jahr pirscht er auf die Suche nach ihnen durch den schwarzen Kontinent. Schon als Kind hat er im Elternhaus in der iranischen Stadt Arak von diesem Teil der Erde geschwärmt, hat keinen Tierfilm verpasst, sich in entsprechende Literatur vergraben. Seit 18 Jahren lebt er in Hannover. Er hat eine Ausbildung zum Feinmechaniker gemacht, zunächst Maschinenbau studiert, bis er die Fotografie als Lebensinhalt entdeckte. Über seine Engagements bei Greenpeace, bei der Umweltstiftung World Wildlife Fund (WWF) und der Heinz-Sielmann-Stiftung hat er sich immer häufiger zur engagierten Tier- und Naturfotografie hingezogen gefühlt. Er will aber nicht nur darstellen, sondern Emotionen wecken. „Ein gutes Foto kann helfen, die Menschen für den Erhalt der natürlichen Schönheiten zu mobilisieren. Seit acht Jahren geht er, der chronisch Mittellose, auf teure Exkursionen. Private Förderer und zuletzt auch der Reisekonzern TUI unterstützen ihn. Mit anschließenden Vorträgen, Ausstellungen und Reportagen hält er sich finanziell leidlich über Wasser.
Er strebe nach außergewöhnlichen Bilder, sagt Rebel, höchsten Ansprüchen sollen seine fotografischen Werke genügen. Wie das geht? „Ich stelle mir ein bestimmtes Tier in einer Position vor. Dann baue ich die notwendige Ausrüstung zusammen, suche den passenden Ort und warte auf den richtigen Zeitpunkt. Tierfotografie hat viel mit Geduld zu tun“.
Und mit Einfühlungsvermögen. Grundsätzlich versuche er eine Art Freundschaft zu den Tieren aufzubauen, sagt Rebel. Das Wissen über die Verhaltensweise der Tiere sei dabei überlebenswichtig. Er kennt mittlerweile auch die Verhaltensweisen vieler Menschen in Afrika, hat bei den Stämmen der Zulu, Massai und Himba einige Zeit verbracht und sie als Freunde gewonnen.
Alles also schön in Afrika? „Im Gegenteil“, sagt Rebel, „Es ist ein grausamer Kontinent“ Regenwald werde vernichtet, Tierarten würden ausgerottet, Menschen verelenden. Natürlich hat er auch die dunklen Seite fotografiert, zeigen will er sie aber nicht. Zu viele Kinder besuchten zum Beispiel seinen Internetauftritt, denen möchte er diese Eindrücke nicht zumuten.
Die kommenden Monate will er in Hannover bleiben, als Disk-Jockey im Kulturzentrum Faust arbeiten und Reggaemusik spielen, um Geld zu verdienen. In der zweiten Hälfte des Jahres wartet ein neues Projekt: Er wird sich den wildlebenden Tigern im indischen Urwald nähern.

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