GEO (lino), 3.März 2007

Die Tiere Afrikas in 3-D

Sechs Wochen lang war der Fotograf Benny Rebel,38 Jahre, in Afrika unterwegs, um wilde Tiere im 3-D-Format zu fotografieren. Im Gespräch mit GEOlino erklärt er, mit welchen Tricks er dabei gearbeitet hat.

GEOlino: Ohne die 3-D-Brille wirken die Fotos seltsam verschwommen. Wer jedoch die Brille aufsetzt, sieht Leoparden und Elefanten so täuschend echt, als stünden die Tiere direkt vor einem. Wie ist das möglich?

Benny Rebel: Alle Bilder sind dreidimensionale Aufnahmen. Das heißt, im Gegensatz zu einem normalen Foto geben sie nicht nur Höhe und Breite eines Motivs wieder, sondern auch die dritte Dimension, die räumliche Tiefe. Ein unglaublich faszinierender Effekt, der dadurch entsteht, dass zwei Bilder in einem gezeigt werden.

GEOlino: Zwei Bilder in einem?

Benny Rebel: Ja, das klingt komisch, ist es aber nicht, wenn man versteht, warum der Mensch überhaupt räumlich sehen kann. Wenn wir einen Gegenstand betrachten, macht sowohl unser linkes als auch unser rechtes Auge eine "Aufnahme" von ihm und schickt sie an das Gehirn. Dieses setzt beide zweidimensionale Bilder zu einem dreidimensionalen Endbild zusammen. Das bedeutet, wir sehen den Gegenstand nicht als plattes Ding, wir erkennen auch, wie weit er von uns entfernt ist. Die Stereo- oder 3-D-Fotografie funktioniert genauso.Anstelle zweier Augen habe ich aber zwei Kameras, die nebeneinander montiert sind und genau aufeinander abgestimmt sein müssen. Drücke ich auf den Auslöser, machen beide Apparate zum exakt demselben Zeitpunkt, mit derselben Belichtungszeit und Blende zwei Bilder von einem Motiv.

GEO lino Maerz 2007

Zum Beispiel von einem Geparden: Die linke Kamera knipst eines für unser linkes Auge, die rechte Kamera für das rechte. Beide digitalen Fotos füge ich dann am Computer zu einem 3-D-Bild zusammen. Das ist Fummelarbeit, denn beide Fotos müssen leicht gegeneinander versetzt sein. Deswegen wirken sie ohne Brille auch so verschwommen.

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GEOlino: Und wozu brauchen wir die Brille?

Benny Rebel: Das 3-D-Bild muss von unseren Augen wieder entschlüsselt werden. Die Brille dient dabei als Filter. Durch das rote Sichtfenster sieht unser linkes Auge nur die Konturen des rechten Fotos. Das cyanfarbene Fenster läßt dagegen nur das linke Bild hindurch. Unser Gehirn setzt anschließend beide Bilder wieder zu einem zusammen. Einigen Menschen gelingt das ganz schnell, sie sehen den Effekt sofort. Andere brauchen dazu etwas mehr Zeit.

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GEOlino:Ihr Bildband ist das erste Buch, das Tiere so in 3-D-Technik zeigt. Warum hat es bisher keine ähnlichen Projekte gegeben?

Benny Rebel:Die Stereofotografie ist eine altbekannte Technik. Bislang war es jedoch schwierig, mit zwei Kameras gleichzeitig etwas zu fotografieren, das sich bewegt. Die meisten 3-D-Fotografen konzentrieren sich deshalb auf starre Motive, wie Landschaften oder Gebäude. Ich habe einen Fachmann gefunden, der die Elektronik der Digitalkameras so austrickst, dass beide Apparate nicht nur gleichzeitig auslösen, sondern auch scharf stellen. Das ist besonders wichtig, wenn ich wilde Tiere fotografieren möchte. Die bleiben schließlich nie so lange sitzen, wie ich es gern hätte. Heute weiss ich: In 3-D-Technik zu fotografieren ist hundertmal schwieriger als normale Tierfotografie.

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GEOlino:Wo haben Sie für den 3-D-Bildband fotografiert?

Benny Rebel:Ich war sechs Wochen lang in Afrika unterwegs, zum Beispiel im Krüger-Nationalpark. Während dieser Zeit sind 30000 Bilder entstanden, manche unter ziemlich abenteuerlichen Umständen. Die Löwen etwa habe ich in einem Zuchtgehege fotografiert. Ich saß hinten auf einem Futterwagen, während die hungrigen Raubkatzen hinter dem Jeep herliefen. Wäre ich heruntergefallen oder eines der Tiere auf den Wagen gesprungen, wäre es lebensgefährlich geworden. Deshalb waren stets Wildhüter dabei, die auf mich aufgepasst haben.

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