AUGE IN AUGE

Frankfurter Rundschau, Magazin, Sa. 04.11.2006

"sie laufen weg - oder sie greifen an"

Der Fotograf Benny Rebel hat sich bis auf wenige Zentimeter an wilde Tiere herangewagt. Protokoll einer lebensgefährlichen Leidenschaft.

Vier Nashörner, jedes anderthalb Tonnen schwer. Ich, nur mit meiner Kamera in der Hand, einen Meter vor ihnen. Jeder, dem ich dieses Foto zeige, fragt mich: "Wie hast du das gemacht?" Selbst die Ranger in Südafrika, mit denen ich gearbeitet und von denen ich gelernt habe, sagen: "So etwas ist unmöglich." Doch das Foto existiert. Natürlich brauchte es Zeit. Viel Zeit und viele Fotos.Die ersten aus einem Kilometer Entfernung. Dann bin ich etwas näher heran, habe wieder Fotos gemacht. Mit sehr viel Geduld und ohne hektische Bewegungen. Ich habe mich hingesetzt, beobachtet, was die Nashörner machen und woher der Wind kommt. Bin dann wieder ein paar Schritte gegangen. Bis ich irgendwann direkt vor diesen grauen Kolossen stand und merkte:Ich bin den Nashörnern völlig egal. Warum auch immer.

Normalerweise gibt es für Nashörner genau zwei Reaktionen, wenn sie einen Mensch riechen:Sie laufen weg- oder sie greifen an. Etwas anderes gibt es nicht. Und dennoch habe ich es bereits fünfmal geschafft, mich alleine und zu Fuß bis auf einen Meter an wilde Nashörner heranzutasten. Sie sind weder weggelaufen, noch haben sie mich attackiert. Sie haben mich als Tier betrachtet, das sie weder stört noch nervös macht. Und dann haben sie mich machen lassen.

DSC00002

Beim Fotografieren stehen die Tiere und ich uns Auge in Auge gegenüber. So ziemlich alles, was einem im Busch gefährlich werden kann, stand schon direkt vor mir: Gorillas, Elefanten, Leoparden, Löwen. Und Flusspferde, die zwarVegetarier sind, aber in Afrika pro Jahr mehr Menschen töten, als alle Raubtiere zusammen. Selbst Krokodile zeigen ihnen gegenüber Respekt. Wenn sie angreifen, ist man mit zwei Tonnen Lebendgewicht konfrontiert. Sie haben genug Kraft, um den menschlichen Körper mit einem einzigen Biß durchzubrechen.Trotzdem habe ich dieses Bild von einem Flußpferd gemacht. Nicht einmal zwanzig Zentimeter über dem Wasser, von einem Steg, direkt an der Oberfläche.

Angst hatte ich in Afrika noch nie. Solange alles unter Kontrolle ist, gibt es für mich keine Angst. Natürlich:"Sieht dieses Tier in mir sein nächstes Mittagessen?" Das ist schon eine Frage, die ich mir stelle- und deren Antwort ich richtig einschätzen muss. Manchmal innerhalb einer Sekunde. Liegt ein Löwe nicht auf der Seite, sondern sitzt in Sprintposition, wedelt seine Schwanzspitze hin und her, zuckt er mit den Ohren und starrt mich an, dann kann ich sicher sein:Gleich greift er mich an. Diese Signale zu kennen und sie rechtzeitig wahrzunehmen, ist lebenswichtig für mich. Das Wissen darüber sind die Früchte meiner Arbeit, Tricks, die ich mir seit vielen Jahren in Afrika von Rangern abschaue. Rennt ein Löwe auf mich zu, muss ich mich entscheiden: Mache ich das letzte Foto noch? Oder unternehme ich lieber etwas dagegen? Eigentlich müsst ich mich groß machen, die Hände und Arme in die Luft strecken und das Tier völlig zusammenschreien. Stärke demonstrieren um nicht als leichte Beute zu erscheinen. Eine solche Situation gab es schon. Und ich habe damals noch ein letztes Foto gemacht- dann habe ich reagiert, wie ich es gelernt habe. Habe mich vor ihm aufgebaut und er ist zurückgewichen.
Bei einem Gorilla wäre genau das völlig falsch gewesen. Auch Gorillas haben mich schon attackiert. Ich habe mich auf den Hosenboden gesetzt, ihnen nicht in die Augen geschaut und untergebene Gesten gemacht. Als unterlegenen Gegner haben sie mich akzeptiert und verschont.
Leute, die nach Afrika fahren, denken oft, das einzig Spektakuläre, was ihnen dort begegnen kann, wären die großen Jagdszenen. Wenn der Löwe losläuft und ein Tier erlegt. Ich habe jedoch ganz andere Szenen im Kopf, die ich nie vergessen werde. Wie den kleinen Mistkäfer, der in der südafrikanischen Wüste auf Feuerameisen traf. Die Ameisen haben ihen überfallen und innerhalb von zehn Minuten auseinander genommen. Bei lebendigem Leib haben sie sämtliche Körperteile abgeschraubt: den Kopf, die Beine und die Fühler. Eine hoch dramatische Szene - nur eben in Kleinformat. Auch im Kleinen ereignen sich Dramen, die Emotionen hervorrufen. Wie jene Gottesanbeterin, groß wie eine Amsel, die vor meinen Augen um ihr Leben boxte. Gegen einen Vogel, der sie fressen wollte. Immer wenn der Vogel nach vorne kam, hat sie sich auf die Hinterbeine gestellt, die Arme erhoben und ihm einen Boxhieb zwischen die Augen verpaßt. Eine Viertelstunde lang. Jedes Mal, wenn der Vogel kam, hat er richtig eins auf die Nase bekommen. Immer wieder, bis ihre Kräfte nachließen und er sie fraß. Aber die Gottesanbeterin starb als Heldin. Und ich werde sie nie vergessen.
Nach so vielen Jahren bilde ich mir ein, aus den Augen der Tiere lesen zu können, wie sie sich fühlen. Und bis wohin sie mich gehen lassen. Da vertraue ich einfach auf mein Gefühl. Wenn ich mir eine Zebraherde anschaue und die Kopfbewegungen, die Blicke der Zebras untereinander, dann weiß ich genau, bei welchem Tier Nervösität zu spüren ist und bei welchem Agressivität. Wie wir Menschen haben die Tiere einen Charakter, den man kennen lernen kann.
Das erste Mal ist mir das als Kind in meiner Heimat Iran aufgefallen. Da war ich drei Jahre alt - und die weiße Taube meines Cousins wurde meine erste große Liebe. Ihre Art sich zu bewegen, diese Eleganz, ihr Stolz - das alles hatte etwas Wunderschönes und fast Menschliches.Etwas, das wir sonst für uns beanspruchen. Damals als Kind und Jugendlicher hatte ich viele Haustiere. Auch wenn meine Familie in der Großstadt Teheran lebte und meine Mutter eigentlich keine Tiere im Haus haben wollte, konnte ich mich irgendwann durchsetzen. Ich bekam ein großes Flachdach mit zwei angrenzenden Räumenl, die bisher als Abstellkammern genutzt worden waren. Die kleinen Zimmer schmückte ich mit Pflanzen und kleinen Bäumen und verwandelte sie in ein Heim für Vögel: Wellensittiche, Kanarienvögel, Zebrafinken. Auf dem Flachdach baute ich eine Voliere für etwa 70 Tauben, die dort übernachteten und tagsüber herumflogen. Das machte mir so viel Spass, dass ich sogar mein Bett in einem der Räume auf baute, um auch nachts bei meinen Schützlingen sein zu können. 1987 bin ich nach Hannover gekommen. Mit 19. Für mich ein Kulturschock hoch drei. Im Iran hatte ich eine Großfamilie mit 900 Mitgliedern. Hier war ich plötzlich allein. Die ersten fünf Jahre lebte ich in einer 17-Quadratmeter- Wohnung. Seit jener Zei t habe ich keine eigenen Tiere mehr. So, wie ich heute lebe, wäre es den Geschöpfen gegenüber nicht fair. Meine Tierliebe ist jedoch bis zum heutigen Tag erhalten geblieben, und ich habe nie aufgegeben, nach Möglichkeiten zu suchen, der Natur zu dienen und sie zu genießen. Die Fotografie ist für mich dabei Mittel zum Zweck.Denn Bilder wecken Emotionen.
Als ich in der 90er Jahren das erste Mal um die Welt flog, hatte ich lediglich eine kleine schwarze Plastikkamera dabei. So ein altes Ritsch-Ratsch-Ding für 20 Mark. Und trotzdem waren meine Freunde von den Dia- Aufnahmen begeistert.Von Bildern, die wirklich nicht besonders berauschend waren. Da habe ich gemerkt, dass ich mit Fotos zeigen kann, wie schön die Natur ist. Wie toll die Tiere sind, die in ihr leben. Und, dass wir all das nicht zerstören dürfen.
Lange hatte ich nichts von der Bedrohung gewusst, die wir Menschen für viele Tiere bedeuten. Dass manche Tiere vom Aussterben bedroht sind, wusste ich bis zu meinem 18. Lebensjahr nicht. Erst als ich in Deutschland über Greenpeace und andere Naturschutzorganisationen erjahren habe, was der Mensch falsch gemacht hat und wo auf diesem Planeten überall Brennpunkte liegen, habe ich überlegt, was man tun könnte, um die Schönheiten der Natur für die künftigen Generationen zu erhalten. Erst da bin ich zum Umweltschützer geworden - vorher war ich lediglich Naturliebhaber.
Bemühungen, die mir selbst sehr viel zurückgeben. Im vergangenen Jahr war ich in Afrika unterwegs und habe dort eine Nashornkuh mit ihrem Baby getroffen. Das Baby war wenige Tage alt. Es tollte herum wie ein junger Hund, ist gehüpft und gesprungen, hoch und runter. Dieses Geschöpf in seiner Lebensfreude beobachten zu dürfen, war für mich herzzerreißend und wundervoll. Vor rund 20 Jahren hatte ich mich zum ersten Mal für bedrohte Nashörner eingesetzt. Damals wurden sie wegen ihres Horns geschlachtet, um Dolche für jemenitische Männer oder Potenzmittel für Chinesen daraus zu machen. Um diesem sinnlosen Abschlachten ein Ende zu bereiten, hatte ich damals mit Greenpeace eine Unterschriftenaktion gestartet.Wir wollten die Menschen informieren, in der Hoffnung, dass wenn es keinen Markt mehr gäbe, die Tiere auch nicht mehr getötet würden. Jetzt fühlte ich plötzlich, dass auch ich persönlich einen kleinen Teil dazu beigetragen hatte, dass diese Tiere nicht ausgestorben waren. Das Nashornbaby, das vor meiner Nase spielte, konnte ich als die Frucht unserer gemeinsamen Arbeit betrachten.

DSC00001

Wenn es nach meinen Eltern gegangen wäre, hätte ich Maschinenbauingenieur werden sollen - das habe ich auch studiert. Doch ich habe mir die Kunst der Fotografie angeeignet, um der Natur noch besser dienen zu können. Dafür habe ich mehr als 200 Bücher in einem Jahr gelesen, immer wieder bei Meistern der Fotografie nachgefragt, was ich noch verbessern kann. Wie alle Anfänge war auch dieser schwer. Nicht immer funktionierten die Dinge so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Doch ich habe es geschafft. Ich bin einer von den Menschen, die, wenn sie sich ein Ziel gesetzt haben, nicht so schnell aufgeben. Ich kämpfe für Dinge, die ich für gut und richtig erachte. Inzwischen habe ich viele internationale Preise für meine Fotos gewonnen. Überall wurde ich zum Sieger erklärt. Das ehrt mich. Weil es mir nicht in den Schoß gefallen ist, sondern ich hart dafür gearbeitet und gekämpft habe. Doch viel wichtiger ist, dass meine Bilder dadurch Aufmerksamkeit erhalten, und ich so weiter den Beruf machen darf, der mittlerweile mein Traumberuf geworden ist. Dafür danke ich meinem Gott. Die Preise, Medaillen und Auszeichnungen aus aller Welt haben dazu geführt, dass ich gehört werde. Bis jetzt habe ich noch jedes Ziel, das ich mir in den Kopf gesetzt habe, auch erreicht. Dass ich auf diesem Weg von Fotomagazinen zum Fotografen des Jahres gewählt worden bin, ist mir egal. Ich wollte für die Natur werben. Ich erinnere mich gut, welchen Einfluß auch auf mich Tierfotos und -filme hatten. Schon als Kind. Große Meister, wie Herr Professor Heinz Sielmann, haben mich tief beeindruckt. Damals habe ich darum gekämpft, mir seine Filme ansehen zu können, wenn der Rest der Familie lieber einen Spielfilm sehen wollte. Das war schwierig bei nur einem Fernseher. Doch manchmal habe ich gewonnen. Und seitdem ist Sielmanns unaufdringliche Art, uns die Tiere zu beschreiben, zu erklären, und uns ihre Lebensweise näher zu bringen, mein Vorbild.
Denn so wie er sind nicht alle Kollegen. Ein gutes Beispiel dafür ist der tödlich verunglückte Australier Steve Irvin. Auch er hat sich sehr für den Naturschutz eingesetzt, wofür er meinen Respekt verdient. Doch wie er in seinen Sendungen mit den Tieren umgegangen ist, war nicht mehr grenzwertig, sondern ging über die Grenze hinaus. Er hatte oft mit Reptilien zu tun. Reptilien, die keine Stimme haben und sich nicht melden können, wenn sie etwas nervt. Trotzdem hat er diese Schlangen und Echsen immer wieder gefangen, angefasst und vor der Kamera präsentiert. Wenn wir schon in die Natur vordringen, sollten wir mit den Tieren leben ,ohne sie zu stören. Das ist ein sehr, sehr feines Gefühl, das man erst entwickeln muss. Ich möchte sein, wie der Vogel auf dem Rücken eines Elefanten, den der Elefant niemals wahrnimmt.

Es gibt ein Foto, das ich gemacht habe, das zeigt eine afrikanische Taube. Die Taube ist tot. Ihr Kopf steckt in Stacheldraht und ist voller Blut. Dieses Bild ist nicht schön. Aber es macht zornig. Und Zorn ist gut. Genau diesen Zorn brauche ich, um die Aufmerksmkeit auf Probleme zu lenken. Wer dieses Bild gesehen hat, wird es nicht mehr vergessen. Manchen Kollegen von mir ist so etwas egal. Sie sind wie Schönheitschirurgen der Fotografie. Für sie sind Tiere nichts als Fotomodelle. Sie benutzen sie genau wie eine Frau, die sie mieten, damit sie ihnen Modell steht. Natürlich sind diese Bilder gut. Sie sind technisch einwandfrei und aus fotografischer Sicht kann man ihnen nichts vorwerfen. Es sind Hochglanzbilder, top belichtet, gut gestaltet, in tollen Situationen. Aber wenn man genau hinsieht, merkt man, dass sie die Seele der Tiere nicht erkannt haben. Es bleibt eine Distanz. Irgendwie ist da kein Herz drin. Die Bilder sind schön, aber sie bewegen nicht. Genau das hoffe ich jedoch, mit meinen Bildern zu erreichen.
Bevor ich ein Foto mache, hat dieses bereits in meinem Kopf existiert. Das ist wie bei einem Maler. Für ihn ist das Werkzeug, um seine Phantasie umzusetzen, der Pinsel. Bei mir ist es die Linse. Bis es soweit ist, braucht es oft Geduld. Manchmal sitze ich tage- oder gar wochenlang in irgendeinem Erdloch und warte auf das Motiv, das ich im Kopf habe. Es ist staubig, es ist heiß- und manchmal muss ich mich dann irgendwann auch einfach damit abfinden, dass ich diese Foto nie bekommen werde. Das is hart. Doch die wilden Tiere sind nicht immer da, wo man sie braucht, oder tun das, was man von ihnen erwartet.

2003 bin ich nach Kenia geflogen, um die Tierwanderungen in der Serengeti zu dokumentieren. Ich hatte Bilder im Kopf, wie Krokodile aus dem Wasser springen und sich die Gnus holen. Es gab bestimmte Szenen, die sich in meinen Träumen entwickelt hatten. Ich wollte die Natur so zeigen, wie sie ist. Ich wollte die Menschen damit konfrontieren, dass die Natur nicht immer schön und fair ist. Obwohl sie das eigentlich schon ist- sie ist es nur nicht aus unserer menschlichen Sicht. In der Natur muss Blut fließen. Das war schon immer so. Manche Tiere müssen sterben, damit andere leben. Die Natur hat ihre eigenen Gesetze, ihre eigenen Regeln und auch diese Bilder, die uns brutal und blutrünstig erscheinen, gehören dazu.
Die Stelle zu finden, an der ich diese Bilder würde machen können, war schwierig. Der Fluss war hunderte Kilometer lang, und dass die Gnus ihn genau an der Stelle überqueren, an der ich war - und genau dort ein solches Drama passiert - schien unmöglich. Ich habe zehn Massai angeheuert und in Zweiergruppen durch Kenia geschickt. Ich selbst bin mit einem Jeep herumgefahren. Jeden Abend haben wir uns an meinem Zeltplatz getroffen. Die Massai haben in den Sand gemalt, welche Tiergruppen sich grade in welche Richtung bewegen. Es war, wie strategische Kriegsführung. Ich wollte abschätzen, zu welcher Zeit die Tiere an welcher Stelle den Fluss überqueren. Dort habe ich dann 13 Stunden am Tag gewartet. Und gewartet und gewartet. Auf der anderen Seite des Flusses konnte ich die Gnus sehen - aber sie haben den Fluss nicht überquert. Sie wussten, dass im Wasser der Tod lauert. Für mich waren es vier Wochen Arbeit. Ohne das Bild, das ich bekommen wollte.
Doch wenn es klappt, ist es das Größte. Das ist wie bei einem Jäger, der auf der Jagd Glück hatte. Wie eine bestandene Examensprüfung. Und wie bei dem Foto mit dem Chamäleon weiss ich schon, wenn ich durch den Sucher schaue: Ein solches Bild gab es noch nie! Diese Foto wird um die Welt gehen.

Das ist heute viel schwieriger als vor einigen Jahrzenten. Früher ging es allein darum, exotische Tiere zu zeigen. Tiere, die man noch nicht gesehen hatte, Tiere, die man noch nicht kannte. Die Fotografen sind um die Welt gefahren, um deren Bilder mitzubringen. Hatten sie einen Löwen auf dem Film, der auch noch scharf abgebildet war, war das schon eine Sensation. Heute braucht man in den Bildagenturen nur das Wort "Löwe" einzugeben, und schon kommen einem Millionen von Bildern entgegen. Von scharf abgebildeten Löwen, in gutem Licht und in spektakulären Landschaften und Situationen. Die Anzahl der Pressefotografen und auch der Urlauber, die um die Welt fahren und fotografiern, ist so dermaßen gestiegen, dass mir heute Abermillionen von Konkurrenten gegenüberstehen. Da muss ich mir schon richtig etwas einfallen lassen, damit auch der Mensch im 21.Jahrhundert noch sagt: So etwas habe ich noch nicht gesehen!
So werde ich mich wohl weiter in irgendwelche Erdlöcher eingraben. Denn ich glaube, die Natur hat auch heute noch viel zu bieten, das wir nicht kennen. Und selbst von den Tieren, die wir meinen zu kennen,haben wir letztlich nicht mehr gesehen, als ein Foto oder eine Minute Video. Viel mehr wissen wir nicht.
Für mich gibt es auch nach so vielen Jahren meiner Arbeit noch immer Momente in der Natur, die mich tief beeindrucken. Oft sind das ganz persönliche Augenblicke voller Ehrfurcht. Und voll Dankbarkeit dafür, dass ich da draußen in der Natur sitze und sie mit allen Sinnen erleben darf. Für mich gibt es kaum etwas Schöneres, als morgens in meinem Zelt aufzuwachen und in der Wildnis den Sonnenaufgang zu beobachten. Während die Vögel singen und die Weidetiere in der Ferne grasen. Wenn ich abends den Sonnenuntergang genießen darf und erlebe, wie die Grillen ihr abendliches Konzert geben, wie die Hyänen und Schakale rufend durch die Savanne ziehen, fühle ich so etwas, wie grenzenloses Glück. Das ist der eigentliche Luxus meines Lebens. Die Astronauten schwärmen davon, dass unsere Erde der schönste Planet in unserem Sonnensystem ist. Ich denke, sie haben Recht - und wir Menschen sind in der glücklichen Lage, in diesen Paradies leben zu dürfen.

Der Fotograf Benny Rebel wurde 1968 in Teheran geboren und lebt heute in Hannover. Er hat sich das Fotofgrafieren selbst beigebracht und wurde für seine Bilder mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet. Die Fotos sind dem Bildband "Ungezähmt - Tiere der Wildnis" von Benny Rebel entnommen. Das Buch ist im Langenmüller Herbig Verlag, München, erschienen, hat 165 Seiten und kostet 39,90 Euro.

Kommentare sind deaktiviert

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen