Objektiv- und Kameratests

Wie teste ich meine eigenen Objektive und Kameras und warum auch Sie dies tun sollten!

Jeder Fotograf ist in der Lage, mit wenigen Mitteln seine eigenen Geräte testen zu können und er findet ganz sicher die Qualitätsunterschiede zwischen den Geräten, die er selbst besitzt. Wie ich persönlich hierbei vorgehe, beschreibe ich in diesem Artikel.

Ich berichte hier, wie ich die Bildqualität von meinen eigenen Objektiven an einer bestimmten Kamera teste und dann verrate ich Ihnen, wie ich die Bildqualität meiner Kameras zueinander vergleiche. Hierbei geht es also nicht um den Autofokus oder andere Themen, sondern nur um die pure Bildqualität.

Es gibt keine perfekte Methode, einen Test durchzuführen! Diese hat es niemals gegeben und wird es auch niemals geben, weil es schlicht und einfach zu viele Variablen, Varianten und Herangehensweisen gibt, die dazu führen, dass alle mir bekannten Testmethoden im Endeffekt Schwächen aufweisen und deswegen alleinstehend nie die wahre Qualität eines Gerätes dokumentieren können.
Warum keine einzige Testmethode perfekt sein kann, lesen Sie weiter unten im Abschnitt „Tests und ihre Tücken“!

Auch meine Testmethode, die ich als eine „vergleichende Testmethode“ bezeichne, hat keinerlei Anspruch auf Perfektion! Sie ist dennoch gut genug, um damit die „Spreu vom Weizen“  zu trennen und defekte Geräte sofort herauszufiltern. So können die Unterschiede zwischen vergleichbaren Geräten sichtbar gemacht werden.  Meine Testmethode kann von jedem ambitionierten Fotografen ohne große Kosten und Aufwendungen realisiert werden und liefert ausreichend gute Ergebnisse, mit denen jeder Fotograf seine eigene Ausrüstung besser einschätzen kann.

Ich lese seit vielen Jahren Testberichte aus der ganzen Welt und bin diesbezüglich gut informiert. Diese Testberichte helfen mir jedoch nur bedingt, da die anderen Tester z.B. nicht exakt meine eigenen Objektive oder die mir gehörenden Kameras getestet haben. Kameras und Objektive einer Baureihe können durch die Serienstreuung unterschiedliche Qualitäten aufweisen und deswegen ist es für mich sinnvoller, genau die Exemplare zu testen, die ich selbst besitze.

Also muss ich selbst testen. Wie gehe ich jedoch vor und was muss ich hierbei beachten?

Die Grafik oben zeigt einen Teil der Testkarte, die ich selbst entwickelt habe und für das Testen von Kameras und Objektiven verwende. Diese Testkarte können Sie für Ihren eigenen Test bei ww.EYC.de erwerben.

Die Grafik oben zeigt einen Teil der Testkarte, die ich selbst entwickelt habe und für das Testen von Kameras und Objektiven verwende. Diese Testkarte können Sie für Ihren eigenen Test bei ww.EYC.de erwerben.

Tests von Objektiven

Jeder ambitionierte Fotograf hat normalerweise mehrere Objektive zu Hause und eventuell auch Freunde, die andere Objektive besitzen, die der Fotograf an seiner Kamera verwenden könnte.
Am Test-Tag, würde ich versuchen, dass ich einige verschiedene Objektive zum Testen an meiner Kamera zur Verfügung habe. Je höher die Anzahl der Objektive, umso aussagekräftiger wird das Ergebnis am Ende des Tests. Dies bedeutet dann auch viel mehr Arbeit.

Damit meine Testbilder vergleichbar bleiben, fotografiere ich persönlich zunächst Test-Charts. Später folgen zwar auch meine Tests in der normalen Fotografie-Umgebung, diese spielen in diesem Artikel vorerst jedoch keine Rolle.

Meine Testtafel und Test-Wand

Meine Testfläche muss passend für die Brennweiten der Objektive gewählt werden. Je weitwinkeliger die zu testenden Objektive, umso größer muss die Testfläche sein, damit der Test möglichst nicht realitätsfremd durchgeführt wird.
Während ich für den Test der langen Brennweiten wie z.B. 600mm oder 500mm eine Testfläche von etwa einem Quadratmeter verwende, benutze ich für den Test der Objektive unterhalb von 20mm  eine Testfläche von mindestens 10 Quadratmetern. Größere Testflächen sind immer etwas besser, stehen den normalen Fotografen jedoch selten zur Verfügung.

Das Dokumentationsbild zeigt, wie wir für einen Test mit einer Leiter die Testkarten an eine große Wand angebracht haben.

Das Dokumentationsbild zeigt, wie wir für einen Test mit einer Leiter die Testkarten an eine große Wand angebracht haben.

Für die kleinen Testtafeln können Sie entweder eine auf diese Größe produzierte Testkarte verwenden, oder Sie bekleben die Testtafeln mit mehreren kleinen Testkarten. Wichtig dabei ist nur, dass die Tafel an sich nicht gewölbt ist. Meine eigene Tafel habe ich auf einem dafür gebauten Ständer angebracht und zwar so, dass die Tafel exakt senkrecht zum Boden montiert ist. Beim Testen an sich ist es dann ebenso wichtig, dass die Kamera möglichst exakt senkrecht zur Testtafel ausgerichtet wird.
Beim Testen von Weitwinkelobjektiven wird es den meisten Fotografen nicht möglich sein, eine Testtafel in der Größe von  zehn oder mehr Quadratmetern herstellen zu können. Dies ist auch nicht unbedingt nötig. Es geht auch einfacher. Ich habe in der Nähe von unserem Haus eine sehr große Wand ausfindig gemacht, die aus Beton gebaut ist. Diese Wand ist  etwa 15 Meter breit und  5 Meter hoch. Von dieser Wand nutze ich zurzeit eine Fläche von ca. 5 x 3 Metern.
Da das Bekleben der kompletten Fläche (in meinem Fall 15 qm) mit Test-Charts für normale Fotografen so gut wie unmöglich ist (wegen der hohen Anschaffungskosten von vielen Testkarten), müssen wir uns auf die wichtigsten Bereiche des Bildes konzentrieren.

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Je nachdem, wie viele Testkarten Sie zur Verfügung haben, müssen Sie diese auf den strategisch wichtigen Bildbereichen verteilen.
Ich persönlich verwende in der Regel 13 Testkarten, die jeweils 30 x 45 cm groß sind. Meine Test-Charts sind von mir persönlich entworfen worden und sind mit 400 dpi extrem fein gedruckt. Die neueste Version meiner Test-Charts sieht so aus:

Die Grafik oben zeigt einen Teil der Testkarte, die ich selbst entwickelt habe und für das Testen von Kameras und Objektiven verwende. Diese Testkarte können Sie für Ihren eigenen Test bei ww.EYC.de erwerben.

Die Grafik oben zeigt einen Teil der Testkarte, die ich selbst entwickelt habe und für das Testen von Kameras und Objektiven verwende. Diese Testkarte können Sie für Ihren eigenen Test bei ww.EYC.de erwerben.

Das folgende Bild demonstriert, wie ich die 13 Test-Charts auf der großen Wandfläche verteile:

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Falls Sie nicht so viele Testkarten besitzen, können Sie den Test trotzdem mit weniger Test-Charts durchführen. Das absolute Minimum liegt jedoch bei 3 Karten, die wie folgt an der Wand befestigt werden sollten: eine in der Mitte, eine in einer der Ecken und dazwischen die dritte Karte. Bei der Nutzung von nur drei Testkarten nimmt die Genauigkeit etwas ab; ist jedoch noch ausreichend, um die Tendenzen zwischen Ihren Objektiven erkennen zu können.
Die Test-Charts klebe ich mit dem ganz normalen Maler-Klebeband an die Wand. Dies hinterlässt  auch keine Spuren, wenn die Testkarten nach dem Test von der Wand wieder entfernt werden.

Das Anbringen der Testkarten geschieht bei mir wie folgt:
Ich stelle mein Stativ auf den Boden und schraube meine Kamera darauf. Ich versuche, das Objektiv so auszurichten, dass es genau senkrecht zur Wand gerichtet ist. Also nicht nach oben oder unten kippen!
Hierbei müssen wir wissen, dass die Größe des verwendeten Statives einen direkten Einfluss auf die Größe der zu wählenden Testfläche hat. Je höher ich mein Stativ schrauben kann, umso größer kann auch die Testfläche werden, ohne dass ich mein Objektiv nach oben schwenken muss. Für Tests mit Weitwinkelobjektiven verwende ich also das größte Stativ, das ich habe.

Nachdem meine Kamera auf dem Stativ steht und mit dem Objektiv senkrecht zur Wand ausgerichtet ist, schaue ich durch den Sucher meiner Kamera und gebe meinen Fotokollegen oder meinen Assistenten die Koordinaten, wo die einzelnen Test-Charts an die Wand angebracht werden sollten. Zuerst wird die Karte im absoluten Zentrum des Bildes an die Wand geklebt, dann die vier Ecken, gefolgt von den vier Randbereichen und schließlich bekleben wir vier der mittleren Bereiche. Somit ist unsere Test-Wand genau für den Test vorbereitet.

Bei der Wahl einer Test-Wand ist folgendes zu beachten:
Zum Zeitpunkt des Tests darf die Sonne nicht direkt auf diese Wand scheinen. Durch die möglichen Reflexionen auf der Wand und auf den Testkarten kann das Ergebnis verfälscht werden. Die Tage, an denen die Sonne und Wolken sich immer wieder abwechseln, sind als Test-Tage ungeeignet, da das unterschiedliche Licht die Ergebnisse unbrauchbar macht. Zum Testen sind die Tage am besten geeignet, an denen der Himmel über längere Zeit keine großen Lichtschwankungen zeigt – wie z.B. an vollbewölkten Tagen oder an Tagen, wo es keine Wolken am Himmel gibt. Das Tageslicht ist für solche Tests am besten geeignet.

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Das Fotografieren der Test-Wand oder der Testtafel

Nachdem die Kamera, das Objektiv und die Testtafel oder Test-Wand vorbereitet sind, müssen nun die Aufnahmeeinstellungen vorgenommen werden.
Wenn ich Objektive testen möchte, dann nehme ich eine Blendenreihe mit allen verfügbaren Blenden der jeweiligen Objektive auf. Wenn ich z.B. das Zeiss FE 35mm F2,8 testen möchte, dann mache ich damit Aufnahmen mit folgenden Blenden: 2,8 – 4.0 – 5,6 – 8.0 – 11 – 16 und 22.

Ist das zu testende Objektiv ein Zoomobjektiv, muss ich diesen Vorgang für jede verfügbare Brennweite wiederholen.
Zur Verständlichkeit hier ein Beispiel: Wenn ich ein Zoomobjektiv mit 24-70mm F2,8 testen soll, gehe ich wie folgt vor. Ich nehme eine Blendenreihe bei 24mm auf, dann bei 28mm, danach bei 35mm, dann 50mm und schließlich bei 70mm. Dies verursacht natürlich viel Arbeit, vor allem hinterher bei der Sichtung und Bewertung der Aufnahmen. Es ist jedoch notwendig, damit jedes Objektiv bei jeder verfügbaren Brennweite getestet wird.

Bevor ich mit den Aufnahmen beginne, muss ich die Einstellungen an meiner Kamera vornehmen. Der Weg, den ich normalerweise bevorzuge, ist folgender:
Meine Objektivtests mache ich immer mit ISO 100, damit die verwendete Kamera ein möglichst gutes Resultat aus ihrem Sensor herausholen kann. Alle Aufnahmen werden bei mir parallel als RAW und JPG gespeichert. Bei der Beurteilung der Bilder werden ausschließlich die RAW-Dateien bewertet. Nur bei manchen seltenen Abnormitäten oder Problemfällen schaue ich mir auch noch zusätzlich die JPG-Bilder an. Ich wähle die manuelle Belichtung und die manuelle Fokussierung in meiner Kamera. Wenn meine Kamera eine Fokuslupe anbietet, dann nehme ich auch gerne diese Hilfe in Anspruch, damit die Scharfstellung per Hand zu 100% korrekt läuft. Dies ist extrem wichtig und darf nicht unterschätzt werden!

Bei den klassischen Spiegelreflexkameras, wo der Spiegel hoch klappt, verwende ich die „Spiegelvorauslösung“, damit weniger Vibrationen im Kameragehäuse entstehen. Diese können zu unscharfen Bildern führen. Viele der neuen Kameras haben entweder keinen Spiegel oder Ihr Spiegel klappt bei der Belichtung nicht nach oben. Somit haben diese das Problem mit der Verwackelung durch den Spiegelschlag nicht.
Bei allen Aufnahmen verwende ich einen Fernauslöser, damit ich beim Auslösen nicht die Kamera anzufassen brauche. Hierdurch können Mikrovibrationen von meinem Körper an die Kamera weitergegeben werden, die dann wiederum zu Unschärfe führen können – besonders bei langen Brennweiten.

Habe ich all diese Vorbereitungen getroffen, dann kann die Blendenreihe aufgenommen werden. In einem Heft führe ich bei dieser Arbeit Protokoll und schreibe in einer Tabelle auf, wie die Bilder hintereinander aufgenommen wurden. Alle Aufnahmen werden in diesem Heft nummeriert, damit ich später am Computer jedes Bild auch ohne Zugriff auf die Exif-Daten zuordnen kann. Objektive, die mit einem Adapter an bestimmten Kameras adaptiert werden, liefern oft entweder keine Exif-Dateien oder teilweise inkorrekte. Deswegen ist es wichtig, Protokoll zu führen!

Ist die Blendenreihe des ersten Objektivs aufgenommen, setze ich das nächste Objektiv an die Kamera, richte alles erneut exakt auf die Testfläche aus, stelle die Schärfe erneut per Hand ein und nehme die Blendenreihe für das nächste Objektiv auf. Falls ich ein Zoomobjektiv verwende, stelle ich die Schärfe bei jeder Brennweite erneut ein.
Die Aufnahmen, die so entstehen, sind miteinander vergleichbar und liefern Ihnen genügend Hinweise über die Stärken und Schwächen Ihrer Objektive bei unterschiedlichen Blendeneinstellungen.

Die Sichtung der Blendenreihen bei den getesteten Objektiven

An diesem Punkt gibt es viele unterschiedliche Herangehensweisen und Vorlieben der Fotografen. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg. Fotografen streiten hierüber, seitdem es Tests gibt. Jeder muss selbst herausfinden, wie er zu Resultaten kommt, die für ihn zufriedenstellend sind.
Ich zeige Ihnen hier nur meinen persönlichen Weg, der mir bisher geholfen hat, die „Spreu vom Weizen“ zu trennen.
Für die Sichtung meiner Bilder verwende ich persönlich einen großformatigen, hochauflösenden und farbkalibrierten Monitor. Falls Sie solch einen Monitor nicht besitzen, können Sie trotzdem mit Ihrem eigenen Monitor die meisten Unterschiede feststellen.

Zunächst importiere ich alle aufgenommenen Bilder in Adobe Lightroom. Das ist neben Photoshop mein Hauptwerkzeug und mittlerweile arbeiten auch die allermeisten Fotografen mit diesem Programm.
Nach dem Import überprüfe ich die Exif-Dateien der Bilder und vergleiche diese mit meinem per Hand geführten Protokoll, das ich während des Testens erstellt habe. Hiermit möchte ich ausschließen, dass an dieser Stelle Fehler entstehen und eventuell die falschen Bilder bewertet werden. Dies ist besonders wichtig, wenn manche Objektive keine Exif-Dateien zur Kamera senden, wie z.B. die Leica-Objektive, die ich an der Sony A7R getestet habe.

Wenn hier alles in Ordnung ist, benenne ich die Bilder im Lightroom so, dass aus dem Bildnamen sofort zu erkennen ist, mit welchen Parametern die Aufnahme entstanden ist.
Hier ein Beispiel: wenn ich ein Bild mit der Sony A7R und dem Zeiss FE 35mm bei Blende F 4.0 aufgenommen habe, dann wird dieses Bild von mir so benannt: A7R-FE35mm-F4-0. Somit kann ich auch später relativ schnell die gewünschten Bilder in meinem Archiv wieder finden.

In Lightroom habe ich die Möglichkeit, Bilder mit Farben und Sternen zu versehen. Dies ist eine sehr große Hilfe, wenn man viele Bilder miteinander vergleichen möchte.
Die Farben benutze ich wie folgt: Alle Aufnahmen mit dem Zeiss FE 35mm werden beispielsweise mit der Farbe Grün markiert und Bilder, die mit dem Zeiss FE 55mm  aufgenommen wurden, werden mit der Farbe Blau markiert usw. Somit kann ich besser den Überblick behalten.

Auf dem screen shot sehen Sie die Farbmarkierungen der Testbilder im Lightroom-Fenster.

Farbmarkierungen der Testbilder im Lightroom-Fenster

Farbmarkierungen der Testbilder im Lightroom-Fenster

Nachdem die Bilder der jeweiligen Objektive durch Namen und Farben eindeutig erkennbar gemacht wurden, fangen die Vergleiche und die Bewertungen an.
Ich vergleiche die RAW-Testbilder und möchte möglichst wenig Interpretation durch die Software haben, die meinen Test beeinflussen kann. Deswegen schalte ich beim Import und auch beim Sichten alle Regler im Lightroom auf „NULL“.   Dann wähle ich zwei Bilder aus, die miteinander verglichen werden sollen und klicke auf den  „Vergleichsansichtsmodus-Knopf“, der im Lightroom-Fenster unten links mit der Schrift „XY“ gekennzeichnet ist. Als nächstes sehe ich diese zwei gewählten Fotos nebeneinander dargestellt.

Für die Beurteilung und Bewertung der Bilder müssen wir jedoch in die 100% Vergrößerungsansicht wechseln und hierfür reicht im Lightroom ein einfacher Klick auf eines der Bilder aus.

Lightroom-Screenshot-Vergleichsansicht-Benny-Rebel

Nun sehen Sie im Navigator (Der Navigator ist in unserem screen shot gerade ausgeblendet) oben links den Ausschnitt des ganzen Bildes, der mit einer weißen Linie gekennzeichnet ist.   Sie können dort hin klicken und den Ausschnitt überall im Bild verschieben,  sodass Sie schnell jede Stelle des Bildes erreichen können. Hierdurch werden die Ausschnitte der beiden Bilder parallel verschoben, sodass Sie immer exakt dieselben Stellen der beiden Aufnahmen miteinander vergleichen können. Diese Funktion von Lightroom ist eine sehr große Hilfe beim Sichten und Bewerten der Fotos.

Die Bewertung der Bilder

Diese Aufgabe ist sowohl schwierig, als auch immer umstritten, da es hierbei wieder viele unterschiedliche Vorstellungen und Denkansätze zwischen den Fotografen gibt.
In diesem Artikel beschreibe ich nur meine eigene Herangehensweise und Bewertungsmethode, die ich als eine vergleichende Methode bezeichne. Meine Methode ist für jeden Fotografen ohne ein Testlabor oder sonstige unerreichbare Gerätschaften realisierbar und liefert ausreichend gute Resultate, um die Unterschiede zwischen den verschiedenen Geräten sichtbar machen zu können.

Zunächst einmal überprüfe ich alle Aufnahmen in der Bildmitte. Schnell stellt sich heraus, dass dabei ein oder zwei Objektive aus der Masse herausstechen und die besten Resultate liefern. Dies ist nur erst einmal ein kurzer Check, um die Lage zu überblicken. Dann mache ich dasselbe mit den Ecken und auch hier stellt sich oft heraus, dass dort ein oder zwei Objektive bessere Ergebnisse liefern, als die anderen. Wenn diese Objektive dieselben sind, wie die anderen, die auch in der Mitte die besten Resultate liefern, dann ist die Arbeit bei diesem Test nicht so schwierig.

Jetzt nehme ich z.B. die besten drei Objektive und vergleiche diese nun viel genauer miteinander und zwar an allen Stellen des Bildes. Dies muss dann auch bei allen Blenden geschehen. Irgendwann ist nun das beste Objektiv aus dieser Testreihe ermittelt und ich habe damit ab sofort mein „Referenzobjektiv“.  Diesem Referenzobjektiv gebe ich in der Regel eine Note, wie z.B. im Lightroom die Note 4 von 5 Sternen. Ich lasse nach oben immer etwas Luft, weil vielleicht ein anderes Objektiv in einem bestimmten Bereich noch bessere Resultate liefert, als mein Referenzobjektiv. Es kann nämlich passieren, dass mein Referenzobjektiv zwar insgesamt die beste Bildqualität liefert; ein anderes Objektiv jedoch nur bei Blende 11 noch bessere Resultate liefert.

Jetzt bewerte ich zunächst alle Bilder des Referenzobjektives bei allen getesteten Blenden. Somit finde ich heraus, welche Qualitäten mein Referenzobjektiv bei offener Blende und abgeblendet liefern kann. Wie die Mitte des Bildes, die Ränder, die Ecken und andere Bildbereiche bei unterschiedlichen Blenden ausfallen können, wird nun sichtbar gemacht und alle diese Eigenschaften werden aufgeschrieben und bewertet.

Durch den direkten Vergleich der Blendenreihen versuche ich, herauszufinden, wie die Schärfe, der Kontrast, die Auflösung, die Vignettierung, die Verzeichnung, die chromatischen Aberrationen, die Farbfehler und andere Fehler ausfallen. Nachdem die Werte meines Referenzobjektives bekannt sind, vergleiche ich nun Bild für Bild alle Objektive mit dem Referenzobjektiv.

Hier ein Beispiel, damit keine Missverständnisse entstehen können:
Ich vergleiche das Bild des Referenzobjektives z.B. bei Blende 2,8 mit dem Bild eines anderen Objektivs bei Blende 2,8 und zwar so, dass alle Bildbereiche in der 100%-Vergrößerung exakt miteinander verglichen werden.  Gemessen an der Bewertung, die ich meinem Referenzobjektiv gegeben habe, bekommt das zweite Objektiv bei dieser Blende eine Note. Dann gehe ich bei den anderen Blenden genauso vor und am Ende bekommt das zweite Objektiv eine Bewertung. Genauso werden auch die anderen Objektive bewertet, bis alle Noten feststehen.

Bei meinen Tests mache ich mir auch noch die zusätzliche Arbeit und vergleiche am Ende eines Tests noch die anderen Objektive direkt miteinander, ohne dass hier die Bilder des Referenzobjektivs zur Hilfe genommen werden.  Dies ist für mich eine Gegenprobe, um festzustellen, ob meine Bewertungen auch ohne das Referenzobjektiv nachvollziehbar bleiben.

An diesem Punkt steht fest, welche Objektive zwischen den getesteten Linsen die beste Qualität liefern und wo die Stärken und Schwächen aller Objektive zu finden sind. Diese Erkenntnisse sind extrem hilfreich, wenn Sie auf professionellem Niveau fotografieren möchten.

Hier ein Beispiel aus meiner eigenen Arbeit:
Ich teste alle meine Kameras und Objektive, sobald ich sie kaufe. So habe ich auch z.B. mein Zeiss 16-35mm F2,8 gegen mein Zeiss-Objektiv 24-70mm F 2,8 getestet. Hierbei stellte ich fest, dass das 24-70mm F2,8 insgesamt die besseren Fotos liefert. Da der Bereich von 24 bis 35mm durch beide Objektive abgedeckt ist, kann ich selbst entscheiden, ob ich diese Brennweiten mit dem Zeiss 16-35mm oder mit dem 24-70mm aufnehme. Seitdem ich weiß, dass mein 24-70mm hier einfach besser ist,  fotografiere ich mit dem 16-35mm nur bei Brennweiten unterhalb von 24mm und oberhalb davon dann mit dem Zeiss 24-70mm. Dies bringt mir eine sichtbar bessere Bildqualität und diese sehr wichtige Information kann ich nur herausfinden, indem ich meine eigenen Geräte selbst teste.

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Hier noch einige Zusatzinformationen zu diesem Bereich des Artikels:
In der Regel liefern Objektive mit fester Brennweite bessere Ergebnisse als die Zoomobjektive. Wenn Sie also nach einem Referenzobjektiv suchen, sollten Sie sich zuerst die Bilder Ihrer Festbrennweiten-Objektive genauer anschauen!
Falls Sie zu den glücklicheren Fotografen gehören, die zahlreiche Objektive ihr Eigen nennen können, sollten Sie zwei verschiedene Referenzobjektive haben - ein Weitwinkel- und ein Tele-Referenz-Objektiv. Diese Version verursacht zwar viel mehr Arbeit, liefert jedoch eine noch genauere Bewertung. Da die Konstruktion der Weitwinkelobjektive ganz anders als die der Teleobjektive ist, ist es besser, wenn in einem Test Objektive der ähnlichen Gattung miteinander verglichen werden. Also ein Weitwinkelobjektiv mit einem Weitwinkel-Referenzobjektiv und ein Teleobjektiv mit einem Tele-Referenzobjektiv.

Beim ersten Test ist es viel Arbeit, die Rahmenbedingungen festzulegen und die ersten Objektive gegeneinander zu testen, um die besten Linsen herauszufiltern. Bei den nächsten Tests brauchen Sie eigentlich nur noch die Referenzobjektive gegen die neuen Objektive zu testen. Falls die neueren Objektive eine noch bessere Qualität liefern, dann bekommen Sie neue Referenzobjektive, ansonsten landen sie zwischen den anderen bereits bewerteten Objektiven.

Hier noch ein wichtiger Hinweis:
Schreiben Sie zu jedem von Ihren Objektiven einige Zeilen bezüglich der Qualität und bewahren Sie diese Dokumente auf! Ich schreibe z.B. zu einem von meinen Objektiven folgendes:

„Achtung: möglichst nicht bei offener Blende verwenden! Ab Blende 2,8 ist alles OK und die beste Leistung ist bei Blende 5,6 zu erwarten. Blende 8.0 ist noch brauchbar; ab Blende 11 macht die Beugung die Bildmitte zu weich.“

Diese wenigen Zeilen helfen mir immer wieder, die Leistungen des getesteten Objektives stets vor Augen zu haben. Falls ich dieses Objektiv verleihe oder wenn meine Assistenten dieses Objektiv verwenden wollen, dann gebe ich ihnen diese Informationen mit, damit auch sie wissen, wie sie mit diesem Objektiv umzugehen haben.

Testen von Kameras

Das Testen von Kameras ist nicht so aufwändig, wie das Testen von Objektiven. Vor allem dann, wenn alle zu testenden Kameras dasselbe Bajonett aufweisen.
Wie meine Testtafel ausgestattet ist, habe ich weiter oben beschrieben. Hier zeige ich Ihnen noch einmal das Bild meiner neuen Test-Chart, mit der ich Kameras teste:

Die Grafik oben zeigt einen Teil der Testkarte, die ich selbst entwickelt habe und für das Testen von Kameras und Objektiven verwende. Diese Testkarte können Sie für Ihren eigenen Test bei ww.EYC.de erwerben.

Die Grafik oben zeigt einen Teil der Testkarte, die ich selbst entwickelt habe und für das Testen von Kameras und Objektiven verwende. Diese Testkarte können Sie für Ihren eigenen Test bei ww.EYC.de erwerben.

Für die Tests von Kameras verwende ich eine möglichst große Testtafel und versuche, wenn möglich, den Test beim Tageslicht durchzuführen. Manchmal geht dies jedoch nicht draußen und in solchen Fällen verwende ich mehrere starke Studio-Tageslichtlampen, die die gesamte Testfläche gleichmäßig ausleuchten.

Sobald die Testtafel steht, richte ich die Kamera mit angesetztem Objektiv senkrecht zur Mitte der Testtafel aus. Für solche Tests verwende ich immer das beste Objektiv, das mir für dieses Bajonett zur Verfügung steht. Wenn das Objektiv mir persönlich gehört, dann weiß ich auch, bei welcher Blende dieses Objektiv die besten Resultate liefert. Wenn ich z.B. weiß, dass ich mit Blende 5,6 die besten Ergebnisse aus diesem Objektiv herausbekomme, dann werden sämtliche Aufnahmen bei dem Kameratest mit Blende 5,6 fotografiert. Also die zu wählende Blende steht jetzt fest und wir haben Tageslicht als unsere Lichtquelle.

Beim Testen von Kameras sollten Sie möglichst keine exotischen Brennweiten wie 12mm oder 600mm verwenden. Objektive rund um 50mm (KB-Normalobjektive) sind hierfür sehr gut geeignet.
Jetzt wird die erste Kamera mit dem gewählten Objektiv getestet. Hierfür steht die Kamera selbstverständlich auf einem soliden Dreibeinstativ geschraubt, die vorgewählte Blende ist 5,6 und die ISO-Reihen werden nun per Fernauslöser aufgenommen. Die Belichtung der Bilder wird manuell vorgenommen, genauso wie die Scharfstellung. Bei der Scharfstellung gehe ich extrem penibel vor und nehme auch gerne die Hilfe einer Fokuslupe in Anspruch, wenn die Kamera mir diese Option anbietet. Falls die Kamera eine Spiegelvorauslösung anbietet, dann schalte ich auch diese Funktion ein, damit die Bilder nicht durch den Spiegelschlag verwackeln können.

Jetzt muss ich nur noch den Weißabgleich manuell einstellen und eine ISO-Reihe mit der Kamera aufnehmen. Mit jeder verfügbaren ISO-Einstellung nehme ich ein Bild auf und auch hierbei führe ich Protokoll in einem Heft, wie ich es weiter oben bei den Objektiven beschrieben habe.

Die zweite und eventuell weitere Kameras werden genauso ausgerichtet und es wird mit den exakt selben Einstellungen fotografiert.
Falls ich verschiedene Kameras teste, die unterschiedlichen Bajonette aufweisen, versuche ich mittels Adapter ein vorbestimmtes Objektiv an verschiedenen Kameras zu verwenden. Dies hat den Vorteil, dass das Objektiv immer dasselbe bleibt, während die Kameras wechseln. Somit sind die Bilder hinterher vergleichbarer. Wenn man verschiedene Objektive verwendet, dann testet man die Qualität des Sets (Kamera plus Objektiv) und nicht mehr allein die Qualität der Kameras. Manchmal ist eine Adaption der Objektive jedoch nicht möglich und ich bin gezwungen, die Qualität der Sets gegeneinander zu testen. Hierbei wähle ich zumindest vergleichbare Objektive aus der selben Preisklasse mit der selben Brennweite  und ebenso mit einer vergleichbaren Bildqualität.

Die Bewertung der Kamera-Testbilder ist ebenfalls erheblich leichter, als die Bewertung von Objektiven. Hierbei gehe ich wie folgt vor:
Die Bilder werden in Adobe Lightroom ohne jegliche Vorgaben als RAW importiert. In Lightroom werden alle Regler auf „NULL“ eingestellt und zuerst kontrolliere ich die Fotos und ihre Exif-Dateien und vergleiche diese mit meinem Protokoll, um eventuelle Fehler in der Bildreihenfolge auszuschließen. Die Fotos der jeweiligen Kameras werden nun per Farbmarkierung in Lightroom gekennzeichnet und alle Fotos bekommen Dateinamen, aus denen die wichtigsten Informationen hervorgehen. Hier ein Beispiel: Die Fotos der Sony A7R bei ASA 100 benenne ich so: A7R-50mm-F5,6@ISO100.

Somit ist alles für den Vergleich vorbereitet. Wie ich es weiter oben bei den Objektivvergleichen beschrieben habe, wähle ich auch hier zwei Fotos aus und schaue sie mir in der 100%-Vergleichsansicht bei Lightroom an. Ich wähle also das Bild der ersten Kamera bei ISO 100 und vergleiche dieses Foto mit der 100-ISO-Aufnahme einer anderen Kamera. Dieses Vorgehen wiederhole ich bei allen verfügbaren ISO-Einstellungen.

Beim Testen der Bildqualität der Kameras spielen die meisten Eigenschaften der Objektive keine Rolle mehr. Ich brauche hierbei nicht die chromatischen Aberrationen, die Vignettierung, die Verzeichnung und den Abfall der Schärfe und den der Auflösung hin zum Bildrand zu bewerten. Einzig und allein muss hier hauptsächlich die Bildmitte, wo die Objektive ihre beste Leistung erbringen, kontrolliert und bewertet werden. Ich vergleiche also das relative Zentrum der Bilder von zwei verschiedenen Kameras bei möglichst  identischen  Objektiven, den selben Blenden und natürlich bei der selben ISO-Einstellung. Hierbei muss ich darauf achten, wie die Schärfe, die Auflösung, der Kontrast und die Farbwiedergabe der beiden Kameras aussehen und ob ich irgendwelche Bildfehler wie z.B. den Moiré-Effekt im Bild entdecken kann. Dann ist es wichtig, das Bildrauschen der Bilder der Kameras bei unterschiedlichen ISO-Einstellungen miteinander zu vergleichen.

Hierbei gehe ich genauso vor wie bei dem Objektivtest. Mit  Sternen bewerte ich nun die Qualitäten der jeweiligen Kameras bei den unterschiedlichen ISO-Stufen. Manche Kameras liefern eine sensationelle Bildqualität im unteren Bereich der ISO-Einstellungen, während andere eher im oberen Bereich die Nase vorn haben. Welche Kamera nun die bessere Bildqualität aufweist, hängt hauptsächlich davon ab, wo die gekaufte Kamera eingesetzt werden soll. Wenn eine Kamera für die Landschaftsfotografie oder Architekturfotografie eingesetzt werden soll, muss sie im unteren ISO-Bereich ihre Stärke demonstrieren – also bei ISO 100, 200 oder 400. Wenn der Fotograf jedoch bei seiner täglichen Arbeit oft hohe ISO-Einstellungen benötigt, dann macht es Sinn, eine Kamera zu haben, die bei hohen ISO-Zahlen bessere Bilder liefert. Diese Frage kann jeder Fotograf nur für sich selbst beantworten.

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Ergänzende Tests in der realen Arbeitsumgebung

Wenn ich ein neues Gerät kaufe, teste ich es sofort mit den oben genannten Methoden, um herauszufinden, ob das neue Gerät für mich und meine Arbeit OK ist. Wenn es so ist, dann wird das Gerät in den darauffolgenden Wochen und Monaten in der realen Arbeitswelt ausgiebig ausprobiert und muss sich dort auch im rauen Alltag meiner afrikanischen Expeditionen behaupten. Mein Arbeitsplatz ist die afrikanische Wildnis. Dieser Arbeitsplatz ist fast immer verdreckt, heiß, staubig und meine Ausrüstung ist den ständigen und heftigen Erschütterungen ausgesetzt, die bei der Fahrt durch die afrikanischen Nationalparks nicht zu vermeiden sind. Ich bin jährlich etwa 6 Monate lang in den Nationalparks auf Safari unterwegs und hier überleben nur die Geräte, die wirklich wertig gebaut sind. Wenn ein Objektiv zwei Jahre bei mir überlebt und immer noch gute Bilder liefert, erst dann kann ich dieses Objektiv uneingeschränkt weiterempfehlen. Langzeittests sind eine sehr gute Ergänzung zu den Tests, die ich hier in diesem Artikel beschrieben habe und dennoch haben auch diese Langzeittests keinerlei Anspruch auf Perfektion.

Das Veröffentlichen eines Testberichtes

Wenn Sie einen Testbericht veröffentlichen möchten, sollten Sie unbedingt wissen, dass etliche Testkritiker Ihren Test in der Luft zerreißen werden, völlig gleich wie Sie vorgegangen sind und was Sie dabei herausgefunden haben. Wer Testberichte veröffentlicht, wird immer kritisiert! Es war schon immer so und so wird es auch bleiben.

Wenn Sie die Attacken der Testkritiker einstecken können, dann könnten Sie wie folgt vorgehen:
Entweder schreiben Sie nur einen Text über Ihre Erfahrungen und veröffentlichen nur den Text oder Sie fügen dem Text auch Beweisbilder hinzu. Die Textversion ist die Version mit weniger Stress und Arbeit für Sie als Tester.
Entscheiden Sie sich für die Version mit Bildern, dann wird es noch schwieriger. Genau hier sind wieder unzählige Wege, Sichtweisen, Vorlieben und Methoden, die dazu führen, dass immer wieder Konflikte entstehen. Sie wollen mit Fotos, die für das Internet oder für einen Zeitschriftendruck optimiert sind, Ihre Befunde zeigen.  Sie müssen nun den Weg wagen und die RAW-Bilder entwickeln, um anschließend z.B. Ausschnitte davon als JPG auf Ihrer Homepage zu präsentieren. Dadurch, dass es hierbei viele verschiedene Ansichten und Herangehensweisen gibt, müssen Sie sich für einen Weg entscheiden.

Mein persönlicher Weg ist wie folgt:
Ich sende die Bilder von Lightroom direkt zu Photoshop. Hierbei sind bei mir alle Entwicklungs-Regler auf „NULL“ eingestellt. Der Arbeitsfarbraum ist bei mir bei beiden Programmen auf Adobe RGB 1998 eingestellt. In Photoshop erstelle ich jetzt  eine Vorlage, mit der gewünschten Endausgabengröße für meine Homepage. Also erstelle ich ein neues Bild mit den Maßen von z.B. 756 x 200 Pixel bei einer Auflösung von 72dpi und im Farbraum RGB. Nun ziehe ich das von Lightroom importierte Foto in das bei Photoshop erstellte Bild. Das von der Kamera aufgenommene Foto ist natürlich erheblich größer als das kleine Bild, das im Internet gezeigt werden soll. Somit sehe ich jetzt nur einen Ausschnitt aus dem Testbild. Dieser Ausschnitt ist bereits jetzt auf 100% Vergrößerung eingestellt. Nun muss ich mich entscheiden, welcher Bereich des Originalbildes gezeigt werden soll. Durch das Schieben des großen Fotos, kann ich die Stelle finden, die gezeigt werden soll und dann das Bild als JPG in einem Ordner speichern. Diese JPG-Bilder haben selbstverständlich niemals die Aussagekraft der Original-RAW-Bilder, die in unserem Test bei voller Auflösung direkt in Lightroom bewertet worden sind. Deswegen bieten gerade diese Fotos viel Angriffsfläche für die Testkritiker an. Ihre Entscheidung zur Bewertung der Fotos ist zwar am Monitor bei hochauflösenden RAW-Bildern entstanden; sie müssen jedoch alles mit kleinen und komprimierten JPG-Bildern beweisen. Dies ist keine leichte Aufgabe, vor allem bei Tests, wo die Unterschiede zwischen den Geräten nur marginal ausfallen.
Also wer Tests veröffentlicht, muss eine dicke Haut haben!

Das Résumé

Jeder Fotograf kann mit wenigen Mitteln selbst seine Objektive und Kameras testen. Unsere langjährige Erfahrung hat gezeigt, dass wir mit der hier beschriebenen Methode sehr gut in der Lage sind, die Qualitätsunterschiede zwischen unseren Geräten sichtbar zu machen. Wir haben ebenso etliche defekte Geräte herausgefiltert, wo der Besitzer vorher gar nicht wusste, dass sein Gerät nicht ganz normal funktionierte. Erst nach einer Reparatur wurde dem Besitzer der Unterschied bewusst.
Wenn Sie Ihre Ausrüstung testen, wissen Sie, was Sie von welchem Gerät zu erwarten haben. Die Schwächen Ihrer eigenen Ausrüstung zu kennen, ermöglicht Ihnen, z.B. die unbrauchbaren Geräte auszusortieren und vielleicht durch bessere zu ersetzen. Wenn ich weiß, dass ein Objektiv von mir bei offener Blende keine guten Resultate liefert; jedoch abgeblendet extrem gut wird, dann speichere ich diese Daten im Kopf und verwende dieses Objektiv nur dort, wo ich auch abblenden kann, damit ich stets eine gute Bildqualität bekommen kann. Allein dieses Wissen ist extrem wichtig, selbst wenn man  dafür einen aufwändigen Test-Tag  organisieren muss.

Tests und ihre Tücken

Seit etwa 20 Jahren lese ich Fotografie-Fachzeitschriften aus verschiedenen Ländern der Welt. Seitdem es Internet gibt, lese ich noch zusätzlich die Testberichte, die im Internet veröffentlicht werden.
Dadurch, dass ich mehrere Sprachen spreche, habe ich auch Zugang zu Testberichten von guten ausländischen Fotografen, von denen man in Deutschland nie irgendetwas hört. In den letzten Jahren habe ich Testberichte von Fotografen aus folgenden Ländern gelesen: Japan, Iran, Ungarn, Israel, Arabischen Emiraten, Indien, Südafrika, den USA, Kanada, China, Kenia, England, Finnland, Chile, Spanien, Hong Kong, Australien, Malaysia, Frankreich, Polen, Belgien, Österreich, Italien, Pakistan und aus der Schweiz. Diese sind nur die Länder, die mir noch in Erinnerung geblieben sind.

Über viele Jahre hinweg hatte ich mehr als 10 Fotofachzeitschriften aus verschiedenen Ländern der Welt im Abo und habe alle mit größtem Interesse durchgelesen. Auch die Leserbriefe, die in diesen Zeitschriften abgedruckt wurden.

Wenn ich eines von allen Testberichten gelernt habe, so ist es die Tatsache, dass es keinen perfekten Test gibt!

Alle Fotografen oder Institute, die jemals sich getraut haben, Kamera-Equipment zu testen, wurden immer kritisiert! Völlig gleich wie sie vorgegangen sind. Die Kritik fällt  in Europa normalerweise etwas heftiger und unfreundlicher aus, als in den anderen Gebieten der Erde; der eigentliche Grund der Kritik ist jedoch immer derselbe.

Es gibt unendlich viele unterschiedliche Sichtweisen, Denkansätze, Vorlieben und Herangehensweisen bei den Tests und es gibt viel zu viele Variablen, Varianten und Methoden, um einen wirklich fehlerfreien Test durchführen zu können.

Hier nur einige wenige Beispiele:
Die ganz normale Serienstreuung bei der Produktion von Geräten jeglicher Art ist den meisten Fotografen bekannt. Jedes Objektiv und jede Kamera beherbergt bestimmte Bauteile, die in einem vorgegebenen Toleranzbereich angefertigt und in einem vorbestimmten Toleranzbereich zusammen montiert werden sollten. Diese Arbeit gelingt den Herstellern nicht immer gleich gut und somit entstehen teilweise auf dem selben Fließband Geräte der selben Baureihe, die zum Teil von der Qualität her erheblich voneinander abweichen.
Dies ist zwar keine neue Erkenntnis, jedoch ist sie eine der wichtigen variablen Faktoren bei den Tests, die dazu führen können, dass Tests unterschiedlich ausfallen. Soweit so gut.

Was ich jedoch an dieser Stelle schreibe, wissen vielleicht nicht so viele Fotofreunde:

In Japan hat sich einmal ein Fotograf/Foto-Ingenieur  die Mühe gemacht und folgenden Test realisiert:
Er hat die Produktion von drei verschiedenen Objektiven eines Herstellers über einen langen Zeitraum überprüft und mit diesen Objektiven immer wieder Tests gemacht. Das Resultat war, dass er feststellte, dass die Objektive, die im Frühjahr in dem Werk produziert worden waren, durchweg besser als die Objektive waren, die 10 Monate später im selben Werk produziert wurden. Er hat immer von der ersten und zweiten und dritten Serie gesprochen.
Das heißt im Klartext: Objektive derselben Baureihe können unterschiedliche Bildqualität oder verschieden gute mechanische Qualitäten aufweisen, wenn sie zu unterschiedlichen Zeiten produziert wurden. Hier ist also eine weitere Variable und ein völlig unberechenbarer Faktor, der bei den Tests zu Unregelmäßigkeiten führen kann.

Ein anderer Fotograf hat Objektive der gleichen Hersteller, die in verschiedenen Standorten produziert worden waren, miteinander verglichen und herausgefunden, dass auch solche Objektive einen nicht allzu kleinen Unterschied aufweisen können. Sein Befund, war folgender: Objektive, die in einem bestimmten Land hergestellt worden waren, wurden zwar mit älteren Maschinen produziert; wiesen jedoch mechanisch die wenigsten Toleranzen zwischen den Elementen auf. Er und andere Fotografen rieten zu Objektiven, die tatsächlich auch in diesem Land produziert worden waren. Hier nenne ich bewusst keinen Herstellernamen, damit es keine Missverständnisse geben kann.  Es geht hierbei auch nur um die Sache an sich. Wir sehen also einen weiteren möglichen Faktor, der zu Problemen führen kann, wenn man Objektive, derselben Bauart miteinander vergleicht.

Dann gab es bei den Tests immer auch unterschiedliche Herangehensweisen der Fotografen, die ständig zu unendlichen Diskussionen führten. Dies habe ich jahrelang in den Leserbriefen der Fachzeitschriften mit verfolgt, ohne mich selbst daran beteiligt zu haben. Jeder Testkritiker meinte, dass nur seine Methode zum Ziel führen würde. Diese Theorien wurden jedoch immer wieder von anderen Kritikern wiederlegt und die ganze Diskussion wiederholte sich immer und immer wieder. Es gab niemals eine Einigkeit, welche der nun Tausenden Methoden die beste ist, um damit Objektive und Kameras testen zu können.

Einige Fotografen befürworteten einen Labortest unter wissenschaftlichen Bedingungen und mit höchst präzisen und sehr teuren Geräten. Diese Fotofreunde wurden von anderen Fotografen heftig kritisiert, weil sie meinten, dass diese Labortests realitätsfremd sind und somit keinerlei Aussagekraft für das tägliche Leben eines Fotografen hatten. Sie meinten, dass sie mit einer Kamera auf der Straße oder in der Natur fotografieren und nicht in einem Labor und somit waren solche Labortests für viele Fotografen keine Lösung.

Abgesehen davon wurden bei solchen extrem teuren und aufwändigen Labortests so gut wie niemals zehn oder mehr Objektive derselben Baureihe miteinander verglichen, um den Faktor „Serienstreuung“ auszuschließen, bzw. zu reduzieren. Sie haben praktisch die Qualität eines ganz bestimmten Exemplars eines Objektivs an einer ganz bestimmten Kamera getestet und wollten diese Aussage auf die gesamte Produktion der getesteten Geräte übertragen. Weil die Serienstreuung teilweise eine erhebliche Rolle spielt, waren natürlich solche Tests für viele Fotografen nicht umfassend genug.

Dann gab es Fotografen, die in der Stadt oder in der Natur Bilder aufnahmen, um diese später dazu zu nutzen, über die Qualität der getesteten Geräte einen Bericht zu veröffentlichen. Auch diese Fotofreunde wurden für ihre Tests scharf kritisiert, weil ihre Bilder nicht miteinander vergleichbar waren. Dies war also auch kein perfekter Weg, der jeden hätte zufrieden stellen können.

Der nächste variable Faktor war dann die Wiedergabe oder die Bewertung der Testbilder. Auch hierbei haben die Menschen unterschiedliche Vorlieben und Vorstellungen davon, wie dies geschehen soll. Und vor allem: was ist gut in einem Bild und was nicht?

Es gibt Fotografen, die einen großen Wert darauf legen, dass Ihre Bilder scharf, feinkörnig und rauschfrei sind. Andere fügen ihren Bildern künstliches Rauschen und Korn hinzu, legen einen Weichzeichner darauf und versehen das Bild mit einer starken Vignettierung. Also genau das Gegenteil zu der vorherigen Gruppe der Fotografen. Und dazwischen gibt es etliche andere Herangehensweisen.
Nun- wer hat recht? Diese Frage wird sicherlich von unterschiedlichen Fotografen verschieden beantwortet werden und genau deswegen wird es schwierig, eine allgemeingültige Aussage zu treffen.

Zusätzlich zu den oben genannten Problemen bei einem Test sind auch die Software-Themen zu nennen, die ebenfalls eine wichtige Rolle spielen und einen weiteren variablen Faktor darstellen.

Seitdem es die digitale Fotografie gibt, gibt es auch die unendlichen Diskussionen über die Bearbeitung und den Umgang mit den Daten. Ich habe bisher selbst etliche Seminare von Profiausbildern besucht und unzählige Wege und Versionen der Behandlung dieses Problems kennengelernt. Wenn man z.B. ein Bild freistellen möchte, gibt es mindestens 20 verschiedene Herangehensweisen, die von unterschiedlichen Ausbildern verschieden bewertet und empfohlen werden.
Auch die Entwicklung und Bearbeitung der RAW-Bilder ist ein Buch mit sieben Siegeln und hat in der Vergangenheit zu ebenfalls unendlichen Diskussionen geführt. Dabei gibt es so  viele unterschiedliche Denkansätze, die bereits viele Bücher gefüllt haben.

Somit eröffnen sich auch hierbei schier unendliche Möglichkeiten, ein Bild zu sichten, zu bearbeiten und zu bewerten. Es gibt also keinen guten oder schlechten und es gibt auch keinen richtigen oder falschen Weg. Da sind sich alle Experten einig, auch wenn sie unterschiedliche Vorlieben haben.

Es gibt noch etliche andere Faktoren, wie z.B. Transportwege, Lagerung, Luftfeuchtigkeit und die Temperatur am Test-Tag, die zu Unregelmäßigkeiten bei den Geräten führen können. Wenn man einen wirklich  perfekten Test durchführen möchte, muss man alle diese möglichen Faktoren berücksichtigen! Und weil genau dies extrem viel Geld und noch viel mehr Zeit und Arbeit kosten würde und sogar der Glücksfaktor eine Rolle spielt, gab es bisher niemals einen perfekten Test und den wird es auch niemals geben.

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Mein persönliches FAZIT zum Thema Tests von Kameras und Objektiven

Es gibt keinen perfekten Test und trotzdem ist jeder Test, ganz gleich welcher Art auch immer, berechtigt und aus meiner Sicht herzlich willkommen! Wenn verschiedene Fotografen mit unterschiedlichen Herangehensweisen und  Vorlieben aus verschiedenen Teilen der Welt z.B. ein ganz bestimmtes Objektiv testen und die meisten von ihnen dieses Objektiv loben, dann ziehe den Schluss-Strich, dass dieses Objektiv höchstwahrscheinlich gut ist. Alle diese Tests und Tester haben zwar ihre Schwachstellen, sie zeigen mir jedoch die Tendenzen und das ist mir sehr wichtig, wenn ich z.B. dieses Objektiv kaufen möchte.

Je mehr Fotografen weltweit ein Objektiv oder eine Kamera testen, umso weiter wird unser Horizont und umso wahrscheinlicher, die echten Qualitäten eines Gerätes abschätzen zu können. Hierdurch bekommen wir auch das Problem mit der Serienstreuung besser in den Griff. Wenn 200 Fotografen aus verschiedenen Ländern der Welt bestätigen, dass ein Gerät sehr gut ist, ist diese Erkenntnis für mich persönlich  viel aussagekräftiger, als wenn ein Ingenieur in einem Testlabor dasselbe Gerät testet und zu einem anderen Ergebnis kommt. Am besten ist es natürlich, wenn alle sich bei der Qualität eines Gerätes einig sind. Dies ist jedoch so gut wie nie der Fall.

Eine 100%ige Aussage wird niemals über ein Gerät getroffen werden können. Es reicht jedoch in den meisten Fällen komplett aus, wenn man die Tendenzen erkennt!

Es gibt Objektive und Kameras, die bisher von niemandem gelobt wurden. Dann lerne ich von diesen Tests, dass diese Geräte höchstwahrscheinlich nicht für mich in Frage kommen.

Dann gibt es Geräte, die von den meisten gelobt werden. Hiervon lerne ich, dass ich dieses Gerät in die engere Auswahl nehmen könnte, wenn ich dies für meine eigene Arbeit gebrauchen kann.

Dann gibt es z.B. Objektive, die sehr unterschiedlich bewertet werden. Dies sagt mir, dass bei dieser Linse wahrscheinlich die Serienstreuung besonders groß ist und bei einem eventuellen Kauf sehr darauf zu achten ist, ob ich ein gutes Exemplar erwischt habe.

Das heißt im Klartext:  je mehr Testberichte ich lese, umso besser erkenne ich die Tendenzen von jedem getesteten Gerät und ich kann die Lage besser einschätzen. Dies kann mich manchmal vor Fehlinvestitionen schützen!

Was für alle von uns Fotofreunden kontraproduktiv ist, ist wenn wir anfangen, den anderen Fotografen und Testern unsere Meinung und Sichtweise aufdrängen zu wollen - wenn wir meinen, dass nur wir und nur unsere Testmethoden eine Daseinsberechtigung haben. Denn dann schließen wir andere Tester aus und dadurch nimmt die Vielfalt ab, ohne, dass die Qualität sich verbessert.

Dieser letzte Satz soll Sie ermutigen, selbst Tests durchzuführen und neue Erkenntnisse zu sammeln und gleichzeitig möchte ich für mehr Toleranz gegenüber anderen Sichtweisen werben! Denn keiner von uns wird jemals perfekt sein, genauso wenig wie unsere Tests!

Herzlichst
Ihr Benny Rebel

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